Eine prospektive vergleichende Analyse bezüglich der Beurteilung von Mundschleimhauterkrankungen anhand eines Fragebogens und die Etablierung desselbigen zur Verbesserung der Lehre von Zahnmedizinstudierenden

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Granting Institution
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), Medizinische Fakultät
Issue Date
2024-03-13
Authors
Röschmann, Nico
Editor
Abstract
  1. Hintergrund und Ziele Im Studium der Zahnmedizin werden sämtliche den Mund betreffenden Erkrankungen gelehrt. Insbesondere der Erhalt und der Ersatz der Zähne wird umfassend unterrichtet. Im Fach der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie werden den Studierenden neben chirurgischen Techniken auch die Diagnostik und Therapie von Mundschleimhautveränderungen erläutert. Dabei stellt die Beschreibung von klinischen Befunden ein wichtiges Qualitätsmerkmal dar und sollte dementsprechend auch in der zahnmedizinischen Lehre in den Fokus rücken. In dieser Studie soll zum einen die Qualität schriftlicher Befunderhebungen von Zahnmedizinstudierenden evaluiert werden und zum anderen der Frage nachgegangen werden, ob bessere Beschreibungen auch zu einer besseren Einschätzung im Rahmen der Verdachtsdiagnose führen. Die Ergebnisse der Studie sollen dazu beitragen, die Qualität in der zahnmedizinischen Lehre zu verbessern.

  2. Methoden Verglichen wurden zwei Gruppen von Zahnmedizinstudierenden in Bezug auf die Qualität ihrer Befunderhebung bei einer Untersuchung der Mundschleimhaut. Die Studierenden erhielten entweder einen freien Bogen und wurden Gruppe 1 (n=17) zugeteilt, oder einen strukturierten Bogen zur Beurteilung der Mundschleimhaut, respektive einer Veränderung dieser und wurden Gruppe 2 (n=16) zugeteilt.

Die Studierenden aus Gruppe 1 und 2 untersuchten jeweils einen Patienten in der Hochschulambulanz der Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. Die Aufgabe war es die Anamnese zu erheben, eine intraorale Untersuchung durchzuführen, eine schriftliche Beschreibung der gefundenen Mundschleimhautveränderung abzugeben und abschließend eine Verdachtsdiagnose zu formulieren. Die Mundschleimhautveränderung wurde im Anschluss fotografiert und es wurde eine Biopsie entnommen. Eine Expertenrunde aus erfahrenen Behandlern setzte einen Goldstandard für die Beschreibung fest und die Verdachtsdiagnose wurde mit dem Ergebnis des histopathologischen Befundes verglichen.

Die Beschreibungen der Mundschleimhautveränderungen wurden in Bezug auf die folgenden vier Kategorien verglichen: Lokalisation, Größe, Art der Läsion, Oberflächen- und Randbeschaffenheit. Die Kategorie Oberflächen- und Randbeschaffenheit beinhaltete ebenfalls die Kriterien Form und Farbe.

Als primärer Endpunkt (primäres Outcome) wurde das Übereinstimmen der Verdachtsdiagnose mit der histopathologischen Diagnose festgelegt. Der sekundäre Endpunkt (sekundäres Outcome) wurde definiert als Unterschied in den Beschreibungen der Veränderungen zwischen den beiden Gruppen.

  1. Ergebnisse und Beobachtungen Die Verdachtsdiagnosen wurden von n=5 Studierenden der Gruppe 1 und von n=6 Studierenden der Gruppe 2 korrekt benannt. n=3 Studierende der Gruppe 1 benannten keine Verdachtsdiagnose, während alle Studierenden der Gruppe 2 eine Verdachtsdiagnose stellten. In Bezug auf das primäre Outcome, dem Übereinstimmen der Verdachtsdiagnose mit der histopathologischen Diagnose, erzielte Gruppe 2 zwar insgesamt ein besseres Ergebnis, dieses war aber nicht signifikant (p = 0,367; p > 0,05). Bei den Beschreibungen wurden in den 4 untersuchten Kategorien Lokalisation (p = 0,044), Größe (p = 0,004), Art der Läsion (p = 0,005) und Oberflächen- und Randbeschaffenheit (p = 0,019) signifikant bessere Ergebnisse in Gruppe 2 festgestellt.

  2. Schlussfolgerungen Für die Beschreibung von Mundschleimhautbefunden durch Studierende der Zahnmedizin konnte gezeigt werden, dass ein strukturierter Fragebogen hilfreich dabei ist, die Qualität der Beschreibungen signifikant zu verbessern. Eine Integration strukturierter Fragebögen in die zahnmedizinische Lehre ist folglich empfehlenswert. Die detailliertere Beschreibung führte allerdings nicht zu einer verbesserten Einschätzung der Verdachtsdiagnose. Die Diagnosestellung auf der Basis von klinischen Befunden sollte demnach im Zahnmedizinstudium verstärkt trainiert werden.

DOI
URN
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