Verschluss des linken Vorhofohres bei über 80-Jährigen zur Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern: Eine Risiko-Nutzen-Analyse im Vergleich zu jüngeren Patientinnen und Patienten

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Granting Institution
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), Medizinische Fakultät
Issue Date
2024
Authors
Mohrez, Yamen
Editor
Abstract

Hintergrund und Ziele Vorhofflimmern ist in der Altersgruppe ≥ 80 Jahre (Octogenarians) im Vergleich zu jüngeren Patienten mit einem deutlich höheren Risiko für ischämische Schlaganfälle assoziiert. Auch die Gefahr für eine Blutungskomplikation ist in dieser Gruppe durch die Einnahme der oralen Antikoagulation (OAK) zur Schlaganfallprävention erhöht. Der kathetergestützte Vorhofohrverschluss (LAA-Verschluss) kann bei Patienten, bei welchen Kontraindikationen für eine OAK vorliegen, alternativ zur Schlaganfallprävention eingesetzt werden. Das Ziel der vorliegenden Arbeit war eine Risiko-Nutzen Analyse des LAA-Verschluss bei Octogenarians im Vergleich zu jüngeren Patienten (Non-Octogenarians) zu erstellen.

Methoden Bei der vorliegenden Studie wurde eine retrospektive Analyse aller 744 Patienten durchgeführt, welche zwischen 2009 und 2018 einen LAA-Verschluss am Klinikum Coburg (Deutschland) und am Universitätsspital Bern (Schweiz) mit einem Watchman (Boston Scientific Co., USA) oder Amplatzer (Abbott Vascular, USA) Okkluder erhielten. Der primäre Wirksamkeit-Endpunkt setzte sich aus Schlaganfall ischämischer oder hämorrhagischer Genese, systemischer Embolie sowie kardiovaskulärem Tod und Tod unklarer Ursache zusammen. Der primäre Sicherheit-Endpunkt beinhaltete periprozedurale Komplikationen und schwerwiegende Blutungsereignisse im Langzeitverlauf. Der klinische Netto-Nutzen setzte sich aus allen Ereignissen der Wirksamkeit und Sicherheit zusammen. Zudem wurde die Risikoreduktion für ischämische Schlaganfälle und schwerwiegende Blutungsereignisse berechnet, indem die Ereignisraten mit den zu den erwarteten Ereignisraten des CHA2DS2-VASC and HAS-BLED Score verglichen wurden.

Ergebnisse Der LAA-Verschluss wurde bei 261 Octogenarians und 483 Non-Octogenarians durchgeführt. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 1,7±1,3 Jahre (Octogenarians) und 2,3±1,6 Jahre (Non-Octogenarians). Octogenarians wiesen ein höheres Schlaganfall- (CHA2DS2-VASc Score 5,2±1,2 vs 4,3±1,7; p<0,0001) und Blutungsrisiko als jüngere Patienten auf (HAS-BLED-Score 3,3±0,8 vs 3,1±1,1; p=0,001). Der Implantationserfolg (251/261, 96,2% vs 472/483, 97,7%; p=0,34) war für beide Gruppen vergleichbar. Auch die Rate an schwerwiegenden periprozeduralen Komplikationen unterschied sich zwischen den Gruppen nicht (9/261, 3,4% vs 23/483, 4,8%; p=0,40). Die folgenden Ereignisse beziehen sich auf 100 Patientenjahre. Die Ereignisrate bezüglich des primären Sicherheit-Endpunkts (30/446, 6,7% vs 47/1.056, 4,4%; Hazard Ratio [HR], 1,2; 95% Konfidenzintervall [KI], 0,73–1,98; p=0,48) war zwischen den Gruppen vergleichbar. Die Ereignisse bezüglich des Wirksamkeit-Endpunkts traten bei Octogenarians häufiger auf (61/446, 13,7% vs 80/1.056, 7,6%; HR 7,0; 95% KI 4,53–10,93; p<0,0001). Im Vergleich zu jüngeren Patienten wiesen Octogenarians insgesamt einen geringeren klinischen Netto-Nutzen auf (82/446, 18,4% vs 116/1.056, 11,0%; HR, 4,6; 95% KI, 3,11–7,0; p<0,0001). Die geschätzte Risikoreduktion für das Auftreten von Schlaganfällen betrug nach LAA-Verschluss bei Octogenarians 41% und Non-Octogenarians 53%. Die geschätzte Risikoreduktion für das Auftreten von schwerwiegenden Blutungsereignisse im Langzeitverlauf lag bei 10% und 41%.

Schlussfolgerungen Die vorliegende Studie konnte zeigen, dass ein LAA-Verschluss bei Octogenarians im Vergleich zu jüngeren Patienten mit einem ähnlichen Implantationserfolg und einer vergleichbaren prozeduralen Sicherheit durchgeführt werden kann. Langfristig reduziert sich auch die Anzahl an Schlaganfällen und schwerwiegenden Blutungsereignissen, jedoch in einem geringeren Maße als bei jüngeren Patienten.

DOI
URN
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