Evaluation eines tagesklinischen, gruppentherapeutischen, multimodalen Therapieprogramms für PatientInnen mit Traumafolgestörungen

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Granting Institution
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie
Issue Date
2024
Authors
Bever-Philipps, Anke
Editor
Abstract

Therapieansätze zur Behandlung von PatientInnen mit Posttraumatischer Belastungsstörung in ihrer klassischen (PTSD) und komplexen Form (kPTBS) wurden in bisherigen Studien weitreichend untersucht und als wirksam erwiesen. Dabei wurden stationäre und insbesondere teilstationäre Angebote jedoch weniger beachtet, obwohl diese in vielen deutschen Kliniken angeboten werden und besonders die tagesklinische Therapie viele Vorteile bietet. Die vorliegende Studie evaluierte ein tagesklinisches, gruppen-basiertes, multimodales Therapieprogramm für PatientInnen mit Traumafolgestörungen, welches in der Psychosomatischen Tagesklinik des Universitätsklinikums Erlangen implementiert wurde. 66 PatientInnen nahmen teil und füllten Fragebögen zu Symptomatik und Ressourcenfaktoren bei Aufnahme, bei Entlassung und in der Katamnese nach 6 bzw. 12 Monaten aus. Zusätzlich wurden in jeder Therapiewoche die therapeutischen Beziehungen in der Gruppe erhoben. Die PatientInnen wurden in geschlossenen Gruppen mit jeweils 7 Teilnehmenden behandelt, wobei die Gruppen entweder reine Frauengruppen oder gemischte Gruppen darstellten. Bei Entlassung zeigten sich eine Reduktion der depressiven Symptome sowie ein Anstieg von einigen Bereichen des Posttraumatischen Wachstums. PTBS-Symptome blieben unverändert, somatoforme Symptome waren angestiegen. PatientInnen mit einem hohen Risiko für kPTBS zeigten eine Reduktion der depressiven sowie der kPTBS-Symptome und einen Anstieg der wahrgenommenen sozialen Unterstützung. PatientInnen mit kPTBS schätzten zudem die Verbundenheit und Arbeitsbeziehung innerhalb der Gruppe geringer ein als PatientInnen mit non-komplexen Traumafolgestörungen. Allgemein wurden die Verbundenheit und die Arbeitsbeziehung in reinen Frauengruppen höher eingeschätzt als in gemischten Gruppen, die negative Beziehung wurde geringer eingeschätzt. PatientInnen mit kPTBS und Patientinnen in reinen Frauengruppen gaben einen höheren Anstieg an wahrgenommener sozialer Unterstützung an. Die Gruppenzusammensetzung hatte jedoch keinen Einfluss auf den symptombasierten Therapieoutcome. Die Follow-Up-Analysen zeigten, dass die Reduktion der depressiven Symptome erhalten werden konnte. Erneut blieben die PTBS-Symptome unverändert. PatientInnen mit kPTBS zeigten neben der Reduktion der depressiven Symptome auch einen Rückgang der kPTBS-Symptome. Die somatoformen Symptome, die bei Entlassung angestiegen waren, kehrten in der Katamnese zum Ausgangslevel zurück, was auf temporäre unerwünschte Wirkungen durch die intensive Therapie hindeuten könnte. Die vorliegende Studie zeigt, dass die tagesklinische Therapie für PatientInnen mit Traumafolgestörungen machbar ist und mit Symptomreduktionen sowie der Stärkung von Ressourcenfaktoren einhergeht. Die Reduktion der PTBS-Symptome scheint dabei mehr Zeit oder eine Anpassung des therapeutischen Angebotes zu benötigen. Eine Intervallbehandlung sollte implementiert werden, um die schweren Folgen von Traumatisierung zu adressieren.

DOI
URN
Zugehörige ORCIDs