Prospektive Analyse der Handkraft bei häufigen Erkrankungen der Hand mittels novel manugraphy® Systems

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Granting Institution
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), Medizinische Fakultät
Issue Date
2024-02-09
Authors
Pingel, Isabel
Editor
Abstract

Hintergrund und Ziele: Karpaltunnelsyndrom, A1-Ringbandstenose und Morbus Dupuytren gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Hand, bei denen eine Therapieoption mittels chirurgischer Intervention besteht. Das Ziel der Studie ist der Vergleich von Handkraftwerten bei Patienten mit A1-Ringbandstenose, Karpaltunnelsyndrom (KTS) und Morbus Dupuytren im zeitlichen Verlauf und im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe sowie zur gesunden Gegenseite. Langfristiges Ziel ist es, krankheitsspezifische Funktionseinschränkungen zu ermitteln und den Operationserfolg zu bemessen.

Methoden: Handkraftmessungen wurden an 40 gesunden Probanden, 9 Probanden mit Karpaltunnelsyndrom, 12 Probanden mit A1-Ringbandstenose und 7 Probanden mit Morbus Dupuytren durchgeführt. Die Messung der Handkraft erfolgte hierbei mit zwei zylindrisch geformten Messzylindern des novel manugraphy® Systems mit einem Umfang von 214 mm und 160 mm, die der entsprechenden Handgröße der Probanden zugeordnet wurden. Es wurden maximale und mittlere Handkraftwerte der gesamten Hand, sowie einzelne prozentuale Handkraftwerte der jeweiligen Finger, des Thenars, des Hypothenars und der Handfläche ermittelt. Die Datenerhebung des gesunden Probandenkollektivs erfolgte im Querschnitt. Die Kraftmessungen der restlichen Probanden erfolgte an insgesamt vier Untersuchungszeitpunkten, wovon der erste Untersuchungszeitpunkt präoperativ, die weiteren nach 6 Wochen postoperativ, 6 Monaten postoperativ und 1 Jahr postoperativ stattfanden. Die funktionellen Einschränkungen wurden bei allen Probanden mit Hilfe des DASH Fragebogens ermittelt. Bei Patienten mit Karpaltunnelsyndrom wurde zusätzlich der Levine Score und die 2-Punkt-Diskrimination bestimmt, bei Patienten mit Morbus Dupuytren erfolgte die Bestimmung des Streckdefizites des betroffenen Strahls.

Ergebnisse: Die prozentuale Handkraftverteilung der dominanten und nicht-dominanten Hand gesunder Probanden unterscheidet sich, wobei für die dominante Handseite im Vergleich zur nicht-dominanten Seite geringere Kraftwerte für Daumen und Handfläche, sowie höhere prozentuale Kraftwerte für Ringfinger und kleinem Finger festgestellt werden konnten. Im Probandenkollektiv der A1-Ringbandstenose zeigte sich eine signifikante Zunahme der Handkraft 6 Monate und 1 Jahr postoperativ. Hierbei zeigte sich auch ein indirektes Angleichen der Handkraftwerte an das Handkraftniveau des gesunden Probandenkollektivs. Eine signifikante Veränderung der postoperativen Handkraftwerte konnte für die Probanden mit Karpaltunnelsyndrom und Morbus Dupuytren nicht ermittelt werden. Jedoch zeigte sich eine tendenzielle Zunahme der prozentualen Kraft des Thenars bei Probanden mit Karpaltunnelsyndrom, sowie des betroffenen Fingers bei A1-Ringbandstenose. Der DASH-Score war in allen Probandenkollektiven 1 Jahr postoperativ deutlich rückläufig im Vergleich zum präoperativen Ausgangswert. Für Patienten mit Morbus Dupuytren konnte eine signifikante Abnahme des Streckdefizites nach 6 Monaten beobachtet werden.

Schlussfolgerung und Diskussion: Die operative Therapie bei Karpaltunnelsyndrom, A1-Ringbandstenose und Morbus Dupuytren ist ein geeignetes Verfahren, um eine deutliche Beschwerdereduktion und eine verbesserte funktionelle Einsetzbarkeit der Hand zu erzielen. Bei Patienten mit A1-Ringbandstenose führt ein operativer Eingriff ebenso zu einer Verbesserung der Handkraft. Der Einsatz von Handkraftmessungen zur Bemessung des Therapieerfolges scheint hierbei sinnvoll zu sein. Die tendenzielle, postoperative Zunahme der prozentualen Kraftanteile des Thenars bei Probanden mit KTS, sowie des betroffenen Fingers bei A1-Ringbandstenose lassen vermuten, dass eine Detektion einer spezifischen funktionellen Einschränkung einzelner Handbereiche möglich sein könnte. Die Handkraftverteilungsmuster werden dabei sowohl von der Zylindergröße als auch der erzielten Gesamtkraft beeinflusst. Um spezifische Funktionseinschränkungen besser verifizieren zu können, wäre ein größeres Probandenkollektiv notwendig.

DOI
URN
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