Langzeitergebnisse der adjuvanten HDR-Brachytherapie (4x3Gy) mit chirurgischer Exzision und plastischer Rekonstruktion in der Behandlung therapieresistenter Keloide

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Granting Institution
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), Medizinische Fakultät
Issue Date
2024
Authors
Huber, Isabelle
Editor
Abstract

Keloide sind gutartige Hauttumore, die mit Juckreiz und brennenden Schmerzen einhergehen und erhebliche ästhetische, physikalische und soziale Beeinträchtigungen mit sich bringen. Dadurch haben sie deutliche Auswirkung auf die Lebensqualität der betroffenen Patienten. Therapieoptionen sind durch ihre teils gravierenden Nebenwirkungen limitiert und oft ist ein unzufriedenes Ergebnis zu beobachten, das mit einer hohen Therapieresistenz und hohen Rezidivraten einhergeht. Die Keloidexzision mit adjuvanter HDR- Brachytherapie zeigt bei therapieresistenten, rezidivierenden Keloiden derzeit die besten Ergebnisse. In dieser monozentrisch klinisch retrospektiven Studie wurden 10 Patienten und insgesamt 12 therapieresistente Keloide 18 Monate bis 12 Jahre nach Keloidexzision und adjuvanter brachytherapeutischen Behandlung (4x3 =12 Gy) zur Nachuntersuchung in das Universitätsklinikum Erlangen einbestellt. Mit Hilfe standardisierter Fragebogen und standardisierter Fotoaufnahmen wurde das Langzeitergebnis der Therapie hinsichtlich Rezidivraten, Nebenwirkungen, Komplikationen und Zufrie- denheit von allen Patienten und 10 unabhängigen Ärzten beurteilt. Zudem wurden die Patienten hinsichtlich der Verbesserung der Lebensqualität durch die Therapie befragt. Alle Patienten litten unter therapieresistenten Keloiden, die jahrelang mit mindestens 2 verschiedenen Therapieoptionen ohne Erfolg behandelt wurden. Unter kombinierter Keloidexzision mit HDR- Brachytherapie zeigte sich bei niedrigen Rezidivraten von 16% eine deutliche Reduktion von Schmerz und Juckreiz in 87,5-88% der Fälle, sowie ein zufriedenstellendes subjektives Ergebnis („sehr zufrieden“ , „eher zufrieden“) bei 70% der Patienten und 73% der Ärzte. Betroffe- ne Patienten profitierten besonders von einer deutlichen Symptomreduktion und Rezidivfreiheit. Ästhetische Verbesserungen korrelierten hingegen nicht mit der Verbesserung der Lebensqualität. Insgesamt gaben 60% der Patienten an durch den Eingriff eine Verbesserung der Lebensqualität zu empfinden. Beste Ergebnisse erzielten Patienten, welche im weiteren Verlauf bei Reaktivität des Narbengewebes eine rechtzeitige adjuvante Kryotherapie und TAC- Injektionen initiierten (60%). Langzeitkontrollen in den ersten 12-24 Monaten mit eventueller erneuter Therapieeinleitung nach individuellem Schema erwiesen sich besonders wichtig in der Rezidivprophylaxe. Während 50% der Patienten in der Vortherapie mit Kryotherapie und TAC- Injektionen starke Nebenwirkungen wie Ulzerationen, Schmerzen, Blasenbildung und lokale Entzündungsreaktionen mit Pusentleerung erlitten, fielen die Nebenwirkungen der HDR- Brachytherapie mit Hypopigmentierungen als häufigste Nebenwirkung (n=6), Hyperpigmentierungen (n=2), Hypotrophien (n=3), Hypertrophien (n=1) und Teleangiektasien (n=3) eher mild aus. Zu Wundheilungsstörungen im Sinne einer Ulzeration und Hämatombildung mit Nekrosebildung kam es bei 2 Patienten. Eine maligne Entartung als Langzeitnebenwirkung der Strahlentherapie wurde bei keinem Patienten beobachtet. Um eine Diskrepanz zwischen medizinischer Sicht und Patientenerwartung zu ver- hindern ist vor Beginn der Therapie das Therapieziel genau zu definieren und der Patient ausführlich aufzuklären. Da ein Keloidrezidiv von Ärzten oft fälschlicher- weise als Hypertrophie gedeutet wurde, sind Fortbildungen über die Eigenschaften und die Therapie der Keloiderkrankung auch bei geschultem Personal besonders wichtig. Eine Kombinationstherapie aus der chirurgischen Keloidexzision mit plastischer Rekonstruktion und adjuvanter HDR-Brachytherapie mit postinterventioneller Kryo- und Glukokortikoidtherapie bei Reaktivierung des Narbengewebes hat sich als besonders effizient in der Behandlung therpieresistenter Keloide erwiesen. Um die Ergebnisse unserer Studie zukünftig zu festigen sind weitere Studien mit größeren Patientenkollektiven nötig. Wir freuen uns über weitere Erkenntnisse über die Behandlungsstrategien in der Therapie der Keloide, die niedrige Rezidivraten, hohe Compliance und ein kosmetisch zufriedenstellendes Ergebnis erzielen.

DOI
URN
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