Umgang mit multiresistenten Erregern in der Versorgung am Lebensende: Die Evaluation der Implementierung einer Handlungsempfehlung auf einer universitären Palliativstation

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2022-03-28
Issue Year
2022
Authors
Illig, Annabell
Editor
Abstract

Background and aims: Multidrug-resistant organisms (MDRO) are becoming increasingly important in everyday hospital life and often pose a major problem in patient care. Especially for patients at the end of life, the question of how to deal with such a diagnosis often occurs. The project MRSA in end-of-life care (M-EndoL) dealt with this issue and enabled the development of a recommendation for dealing with multidrug-resistant organisms at the end of life. Within the framework of a working group, different approaches and strategies were developed to support the implementation of each recommendation in a palliative care unit. The aim of the present study was to find out to what extent this recommendation could be implemented in the daily clinical routine of a palliative care unit. Furthermore, facilitating and inhibiting factors in the implementation as well as further necessary measures were to be elaborated.

Methods: To examine the status of implementation, the staff of the palliative care unit were interviewed using a questionnaire. In addition, a retrospective analysis of routine data collected through an MDRO checklist was performed. In a focus group with members of the MDRO working group, the results obtained were presented and the status of implementation, facilitating and inhibiting factors in implementation, and further necessary measures were discussed.

Results: The published recommendation for dealing with MDRO at the end of life is mostly known to the staff of the palliative care unit. Twelve of the 27 recommendations can be considered fully or largely implemented, and another 13 recommendations are assessed as at least partially implemented. In contrast, two recommendations on considering the additional time required and on facilitating the differentiation between relatives and staff show a low level of implementation to date. The checklist for documenting MDRO findings developed as part of a working group was used in most cases, although it was often filled out incompletely, inconsistently, or not analogous to the routine data otherwise documented. Focus group participants perceived an improvement in the overall situation, but also described continued challenges in dealing with MDRO at the end of life. While a lack of restriction to prescribed protective measures was perceived among some staff, on the other hand, insufficient implementation of necessary measures among other team members or visitors was described. Lack of awareness regarding the relevance of protective measures and fears of the transmission of multidrug-resistant organisms were cited as inhibiting factors in the implementation of the recommendation. Further training and the structural anchoring of procedures were identified as additional necessary steps. Inadequate and incorrect documentation should be counteracted in the future by adapting the MDRO checklist and clearly defining responsibilities.

Conclusions: The implementation of the recommendation for dealing with multidrug-resistant organisms at the end of life can be considered successful overall. The structural anchoring of concepts and measures in everyday clinical practice seems to be of great importance for the implementation of the developed recommendations. In order to verify the effectiveness of the measures developed and to derive additional necessary steps, further evaluation should take place in the future.

Abstract

Hintergrund und Ziele: Multiresistente Erreger (MRE) gewinnen im Krankenhausalltag zunehmend an Bedeutung und stellen in der Patientenversorgung oft ein großes Problem dar. Vor allem bei Patienten, die sich am Lebensende befinden, kommt dabei häufig die Frage auf, wie mit einer solchen Diagnose umgegangen werden soll. Das Projekt MRSA in der Versorgung am Lebensende (M-EndoL) beschäftigte sich mit dieser Thematik und ermöglichte die Ableitung einer Handlungsempfehlung zum Umgang mit multiresistenten Erregern am Lebensende. Im Rahmen einer Arbeitsgruppe (AG) wurden verschiedene Ansätze und Strategien entwickelt, die die Umsetzung der einzelnen Empfehlungen auf einer Palliativstation unterstützen sollten. Ziel der vorliegenden Studie war es herauszufinden, inwieweit diese Handlungsempfehlung in den klinischen Alltag einer Palliativstation implementiert werden konnte. Zudem sollten förderliche und hemmende Faktoren bei der Umsetzung sowie weitere notwendige Maßnahmen herausgearbeitet werden.

Methoden: Um den Stand der Implementierung zu untersuchen, wurden die Mitarbeiter der Palliativstation mithilfe eines Fragebogens befragt. Zudem wurde eine retrospektive Analyse von Routinedaten, die durch eine MRE-Checkliste erfasst werden, durchgeführt. Im Rahmen einer Fokusgruppe mit Mitgliedern der Arbeitsgruppe MRE wurden die gewonnenen Ergebnisse präsentiert und der Stand der Implementierung, förderliche und hemmende Faktoren bei der Umsetzung sowie weitere notwendige Maßnahmen diskutiert.

Ergebnisse: Die veröffentlichte Handlungsempfehlung zum Umgang mit MRE am Lebensende ist den Mitarbeitern der Palliativmedizinischen Abteilung zum Großteil bekannt. Zwölf der 27 Empfehlungen können als vollständig oder weitgehend implementiert betrachtet werden, weitere 13 Empfehlungen werden zumindest als teilweise implementiert eingeschätzt. Zwei Empfehlungen zur Berücksichtigung des zeitlichen Mehraufwandes sowie zur Erleichterung der Unterscheidung von Angehörigen und Personal weisen hingegen bislang einen geringen Umsetzungsstand auf. Die im Rahmen einer Arbeitsgruppe entwickelte Checkliste zur Dokumentation von MRE-Befunden wurde in den meisten Fällen genutzt, wobei diese jedoch häufig unvollständig, widersprüchlich bzw. nicht analog zu den sonst dokumentierten Routinedaten ausgefüllt wurde. Die Teilnehmer der Fokusgruppe nahmen eine Verbesserung der Gesamtsituation wahr, beschrieben jedoch auch weiterhin bestehende Herausforderungen im Umgang mit MRE am Lebensende. Während bei einigen Mitarbeitern eine fehlende Beschränkung auf vorgegebene Schutzmaßnahmen wahrgenommen wurde, wurde andererseits eine unzureichende Durchführung von notwendigen Maßnahmen bei anderen Teammitgliedern oder Besuchern beschrieben. Als hemmende Faktoren bei der Umsetzung der Handlungsempfehlung wurden unter anderem mangelndes Bewusstsein über die Relevanz von Schutzmaßnahmen sowie Ängste vor der Übertragung multiresistenter Erreger genannt. Fortbildungen sowie die strukturelle Verankerung von Vorgängen wurden als weitere notwendige Schritte bestimmt. Durch eine Anpassung der MRE-Checkliste und die klare Festlegung von Zuständigkeiten soll der unzureichenden und fehlerhaften Dokumentation zukünftig entgegengewirkt werden.

Schlussfolgerungen: Die Implementierung der Handlungsempfehlung zum Umgang mit multiresistenten Erregern am Lebensende kann insgesamt als erfolgreich angesehen werden. Von hoher Bedeutung für die Umsetzung der entwickelten Handlungsempfehlung scheint die strukturelle Verankerung von Konzepten und Maßnahmen in den klinischen Alltag. Um die Wirksamkeit der erarbeiteten Maßnahmen zu überprüfen und um zusätzliche notwendige Schritte abzuleiten, sollte in Zukunft eine weitere Evaluation stattfinden.

DOI
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