Effektivität von Umweltmanagementsystemen – eine neo- institutionelle Analyse am Beispiel von ISO 14001

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2013-07-22
Issue Year
2012
Authors
Graf, Christian
Editor
Abstract

The dissertation contributes to the current debate on wether environmental management systems, especially ISO 14001, are effective or not. The key results can be summarized as follows: The evaluation of the efficacy of ISO 14001 depends mainly on the goals that are associated with this international norm. ISO 14001 as an instrument to establish sound internal processes in companies can be considered effective. In contrast, ISO 14001 is currently not an effective instrument to significantly improve the environmental performance of companies or to contribute to sustainable development. Based on these results the dissertation argues that the efficacy of ISO 14001 can be improved by using the norm in combination with other ecologically oriented standards and by establishing networks of companies who cooperate in the field of environmental management.

Abstract

Die Arbeit adressiert die Frage nach der Effektivtät von Umweltmanagementsystemen am Beispiel von ISO 14001. Effektivität wird dabei als Grad der Zielerreichung verstanden. Vor dem Hinterund eines umfassenden Literaturüberblicks werden zunächst zwei Forschungsfragen abgeleitet, die im Rahmen dieser Arbeit beantowortet werden sollen. Die erste Forschungsfrage bezieht sich auf das Effektivitätsverständnis von ISO 14001. Es geht somit um die Frage welche Ziele mit der Norm verbunden sind. Dies ist die Grundlage für eine Bewertung der Effektivität. Die zweite Forschungsfrage zielt darauf ab, Möglichkeiten zur Erhöhung der Effektivität von ISO 14001 zu diskutieren. Eine entsprechende Weiterentwicklung des Standards erscheint notwendig, da zahlreiche Autoren die Effektivität relativ kritisch beurteilen. Als erkenntnisleitende Theorie zur Beantwortung der Forschungsfragen dient der Neo- Institutionalismus und dabei insbesondere das Konzept der Theorisierung. Die Arbeit greift dabei auf den Ansatz von Greenwood et al. (2002) zurück, die Theorisierung im Rahmen von Institutionalisierungsprozessen betrachten. Die beiden Hauptaufgaben von Theorisierung sind die Festlegung von Zielen, die mit einer neuen bzw. veränderten insti- tutionellen Regel erreicht werden soll sowie die Legitimierung der vorgeschlagenen Lösung. Die Theorisierung von ISO 14001 wird anschließend im Rahmen einer qualitativen Studie erforscht. Als Datengrundlage werden 298 Artikel aus englischsprachigen Trade Journals analysiert. Dabei wird festgestellt, dass ISO 14001 aus neo-institutioneller Sicht mit verschiedenen Zielen verbunden ist und auf unterschiedliche Weise legitimiert wird. Die Ziele sehen ISO 14001 einerseits als Prozessstandard, der ein systematisches Umweltmanagement ermöglicht, zu ständiger Verebesserung führt und die Compliance von Unternehmen erhöht, und andererseits als Performancestandard, der ökologische Leistungsziele vorgibt und eine Verbindung zum Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung herstellt. Der Vergleich dieser unterschiedlichen Ziele mit den in der Forschung identifizierten Wirkungen von ISO 14001 zeigt, dass die Norm, als Prozessstandard gesehen, durchaus effektiv ist, da die hier angeführten Ziele erreicht werden. Wird jedoch ISO 14001 als Performancestandard gesehen, fällt die Bewertung der Effektivität negativ aus. Die damit verbundenen Ziele werden kaum erreicht. Die hier getroffene Unterscheidung zwischen einer prozessorientierten und einer performanceorientierten. Perspektive aus ISO 14001 erlaubt auch die bestehende Forschung zu den Wirkungen von ISO 14001 besser zu ordnen. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse wurden vier Vorschläge zur Weiterentwicklung gemacht. Es wird vorgeschlagen, dass ISO 14001 um eine performanceorientierte Komponente erweitert wird, da diese für die wahrgenommene Effektivität der Norm eine wichtige Rolle spielt. Dazu soll ISO 14001 um ökologische Leistungsziele und Leitlinien für eine nachhaltige Entwicklung ergänzt werden. Der zweite Vorschlag bezieht sich auf die Legitimierung von ISO 14001, die ebenfalls Gegenstand der Untersuchung war. Es wird vorgeschlagen, dass die Aussagekraft einer Zertifizierung nach ISO 14001, die eine wichtige Rolle für die Legitimierung spielt, verbessert werden soll. Die Legitimierung durch eine Zertifizierung steht in enger Verbindung zur performanceorientierten Per- spektive von ISO 14001. Aufgrund der lediglich analytischen Trennung von Zielen und Legitimierung kann durch eine verbesserte Legitimierung auch ein Beitrag zu einer höheren wahrgenommenen Effektivität von ISO 14001 geleistet werden. Die empirischen Ergebnisse haben aber auch gezeigt, dass ISO 14001 aus einer prozessorientierten Perspektive ein effektiver Standard ist. Der dritte Vorschlag fordert, dass Maßnahmen zur Weiterentwicklung dem bisher erreichten Rechnung tragen und die Zielerreichung auf diesem Gebiet nicht gefährden. Dies bezieht sich auch auf die Legitimierung aufgrund ökomischer Vorteile. Der vierte Vorschlag fordert abschließend, dass die Weiter- entwicklung auch praktisch umsetzbar sein sollte und dem Kontext in dem sich ISO 14001 befindet Rechnung tragen sollte. Dieser Vorschlag ist wichtig, da insbesodere die Integration von ökologischen Leistungszielen in ISO 14001 sich in der Praxis problematisch darstellt. Ein wesentliches Problem liegt hier z. B. in den hohen Anforder- ungen an einen legitimen Standardisierungsprozess. Vor dem Hintergrund dieser Vorschläge werden anschließend verschiedene Maßnahmen zur Weiterentwicklung von ISO 14001 kritisch diskutiert. Es zeigt sich, dass die Effek- tivität von ISO 14001 vermutlich durch die Verbindung der Norm mit anderen Standards sowie durch die Bildung von Kooperationen bzw. Netzwerken erhöht werden kann. Auch eine verstärkte Schwerpunktsetzung in der Umsetzung kann die Effektivität von ISO 14001 positiv beeinflussen. Diese Maßnahmen beziehen sich jeweils auf eine veränderte Nutzung der Norm in seiner aktuellen Form. Die Arbeit zeigt, dass unterschiedliche Vorstellungen von ISO 14001 als effektivem Standard existieren und, dass diese Vorstellungen sich im Zeitverlauf verändern. ISO 14001 mus sich als Reaktion auf ein sich änderndes Effektivtätsverständnis ebenfalls weiterentwickeln. Dies impliziert nicht zwangsläufig eine Veränderung des Wortlauts der Norm, sondern kann sich auch in einer veränderten Nutzung der aktuellen Fassung der Norm manifestieren. Ein gewandeltes Nutzungsverhalten kann langfristig auch die Grundlage für eine entsprechende Anpassung des Wortlauts von ISO 14001 darstellen.

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