Fernsehen im ehemaligen Jugoslawien – Die Transformation zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2011-11-18
Issue Year
2011
Authors
Milutinovic, Vladimir
Editor
Abstract

In almost all countries of Eastern and Southeastern Europe started a process in the late 1980s, that led to the collapse of the prevailing communist or socialist societies. The countries of the former Eastern bloc began to install new social orders and systems, and in most cases the Western model of democratic structures was used as ideal. These processes were described in the scientific debate as transition. This type of modernization means a catch-up-process in all systems of the society, including democracy, economic liberalization and prosperity for the general population. The aim of this process is well known to all key players like the state, the policy and the economy or the media. Especially television and radio as mass media can extremely exacerbate potential conflicts in a country. That came during the Balkan wars in the 1990s clearly to light. At least since this experience in the scientific debate as well as in the general discussion the idea, that independent media are essential for the development of a pluralistic democracy, was established. Mass media play an important role in shaping social structures and values, because they can function as socially integrating and opinion-forming. They also provide transparency, criticize politics and economy and thus also act as a supervisory body. As such, they could, especially in fragile societies like those of the former Yugoslavia, be a stabilizing factor. Thereby the public service broadcasting is particularly challenged, because it is in principle committed to the common good and to pursue not only economic interests, like it is the case in the commercial media sector. A leading role is played by the television, which is for the greater part of European citizens the main source of information. Furthermore it is also regarded as the most influential medium in shaping the public opinion. Therefore this paper deals with the transition of public service broadcasting in the successor states of former Yugoslavia. Using scientific models of policy and communication the transition-process of the public service in Bosnia-Herzegovina, Croatia, Serbia, Slovenia, Macedonia, Montenegro and Kosovo is considered and analyzed. The aim is to investigate how the transition-process of the public service in the countries of former Yugoslavia looked like and to what extent it has progressed. At this the historical development, the current legal general conditions, the structure of the supervisory bodies and the government, the type of financing and the broadcasting mandate of public service, the general situation of freedom of speech and expression as well as each specific medial environment were analyzed. Furthermore, a comparison with the German public service is conducted. This includes not only general factors, such as financing or structure of the broadcaster, but also an examination of the offered program. It turns out that in the states of former Yugoslavia most of the transition-process is already completed and all countries have established legal general conditions that are in most respects in line with the standards of Western countries. But it also shows that, especially in question of dependence of the state and of financing, there is still need for action in some cases. It is also clear that the states are at various stages of development. Each state has chosen its own way and built a media system that is adapted to its own requirements. This is clearly illustrated by comparing the different models, which makes clear that the respective media systems are very different in some aspects.

Abstract

Ende der 1980er Jahre setzte in fast allen Staaten Ost- und Südosteuropas ein Prozess ein, der dazu führte, dass die dort vorherrschenden kommunistischen bzw. sozialistischen Gesellschaftsordnungen kollabierten. Die Länder des ehemaligen Ostblocks begannen neue gesellschaftliche Ordnungen und Systeme zu installieren; in den meisten Fällen entschied man sich nach westlichem Vorbild für demokratische Strukturen. Diese Prozesse wurden in der Fachdiskussion auch als Transformation oder Transition bezeichnet. Darunter wird eine Modernisierung verstanden, die im Sinne eines Aufholprozesses, dessen Ziel – Angleichung an das (westliche) Vorbild einer Staats- und Gesellschaftsstruktur, das sich durch politische Demokratie, Marktwirtschaft und Wohlstand für die breite Bevölkerung auszeichnet – allen zentralen Akteuren bekannt ist und auch bewusst verfolgt wird. Eine Schlüsselrolle fällt dabei den jeweiligen Medien zu. Medien, insbesondere der Rundfunk als Massenmedium, können potentielle Konflikte extrem verschärfen, was vor und während der Balkankriege in den 1990er Jahren auch deutlich zum Vorschein kam. Spätestens seit diesen Erfahrungen hat sich sowohl in der Fachdiskussion als auch in der allgemeinen Debatte generell die These durchgesetzt, dass unabhängige Medien für die Entwicklung einer pluralistischen Demokratie unabdingbar sind. Massenmedien sind an der Gestaltung gesellschaftlicher Strukturen und Werte nicht unwesentlich beteiligt, da sie meinungsbildend und gesellschaftlich integrierend wirken können. Zudem sorgen sie für Transparenz, kritisieren Politik und Wirtschaft und fungieren dadurch auch als eine gesellschaftliche Kontrollinstanz. Von daher könnten sie gerade in instabilen Gesellschaften, wie jenen des ehemaligen Jugoslawiens, ein wesentliches Kriterium darstellen, um ein stabilisierender Faktor zu sein. Dabei ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk besonders gefordert, da er prinzipiell dem Gemeinwohl verpflichtet ist und nicht ausschließlich ökonomische Interessen zu verfolgen hat, wie es im kommerziellen Mediensektor der Fall ist. Eine tragende Rolle kommt dabei dem Fernsehen zu, das für einen Großteil der europäischen Bürger die Hauptinformationsquelle ist; es gilt zudem als einflussreichstes Medium bei der Prägung der öffentlichen Meinung. Diese Arbeit beschäftigt sich folglich mit der Transformation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens. Unter Verwendung politik- und kommunikationswissenschaftlicher Modelle wird der Wandlungsprozess des Public Service in Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Serbien, Slowenien, Mazedonien, Montenegro und dem Kosovo betrachtet und analysiert. Ziel ist es zu untersuchen, wie der Transformationsprozess der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens ausgesehen hat und inwieweit er vorangeschritten ist. Betrachtet werden dabei die historische Entwicklung, die derzeit gegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen, die Ausgestaltung der Kontrollorgane, die Führungsstruktur, die Finanzierungsform und der Programmauftrag der öffentlich-rechtlichen Anstalten, die allgemeine Lage zur Rede- und Meinungsfreiheit sowie das jeweilige spezifische mediale Umfeld. Außerdem wird ein Vergleich mit dem deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk durchgeführt. Dieser umfasst nicht nur allgemeine Faktoren, wie die Finanzierung oder die Struktur der Sender, sondern auch eine Untersuchung des Programmangebots. Es stellt sich heraus, dass in den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens große Teile des Transformationsprozesses in den Medien bereits abgeschlossen sind und alle Länder rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen haben, die sich in den meisten Punkten mit den Normen der westlichen Länder im Einklang befinden. Allerdings wird auch klar, dass gerade in den Frage der Staatsferne und der Rundfunkfinanzierung vielerorts noch Handlungsbedarf herrscht. Zudem wird deutlich, dass sich die diversen Staaten auf verschiedenen Entwicklungsstufen befinden. Jeder Staat hat einen eigenen Weg eingeschlagen und ein Mediensystem aufgebaut, dass auf seine eigenen Ansprüche angepasst ist. Deutlich wird das durch den Vergleich der verschiedenen Modelle, der klar macht, dass sich die jeweiligen Mediensysteme teilweise doch stark voneinander unterscheiden.

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