Auswirkungen einer kunsttherapeutischen Intervention auf die psychische Genesung nach Schlaganfall

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2022-06-07
Issue Year
2022
Authors
To, Vi Tuong Daniel
Editor
Abstract

Objectives This thesis is on the effects of art therapy, in this case the colouring of pictures, on the mental convalescence of patients with stroke. Stroke is a vascular disorder of the brain with a lack of oxygen and death of nerve cells in affected regions. Based on individually affected brain areas a variety of sensorimotor and cognitive impairments may result. Stroke is a major neurological problem and its socioeconomic relevance is enormous. The aim of the current thesis is to prove whether, how and how strong the colouring of pictures has an impact on stroke patients’ mental recovery. According to literature a positive effect might be assumed, which would also have therapeutic implications.

Design & Methods To verify the hypothesis a total of 143 stroke patients were recruited according to respective inclusion and exclusion criteria and randomly divided into a test and a control group, matching with a randomized controlled prospective study design. The 76 patients of the test group received a colouring booklet, which they could design according to their ideas, additional to standardized stroke therapy on the Stroke Unit; the 67 patients of the control group received only standardized stroke therapy without art intervention. At three defined time points (i.e., at beginning of the art therapy, at end of the art therapy and eight weeks after end of the art therapy and at corresponding time in the control group) the following data were collected for all patients using questionnaires: the Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) to record anxiety and depressive disorders, the Resilience Scale 25 (RS-25) to quantify resilience and the Big Five Inventory (BFI) to ascertain the personality structure. The changes of scores over time were observed and compared between test and control groups.

Observations & Results After eight weeks significant differences (p < 0.05) between the test and the control group could be detected for the HADS and the RS-25 and to a lesser extent also with the BFI. Most of the observed effect sizes (0.3 ≥ r ≤ 0.5) showed medium to strong differences between the test and the control group.

Conclusions According to the present study it could be concluded that patients, who had the art intervention, recovered better and faster from mental deficits due to stroke compared to control patients. The fact that differences in the development of the patients’ personality structure could only be shown to a lesser extent is most likely due to the comparably short observation period. Considering the results and their interpretation it could be demonstrated that applying art has a positive effect on mental recovery of patients after stroke. The mental constitution of the patients, who had drawn during their inpatient stay, developed much more positive than that of patients, who had not. Hence, the hypothesis of the present thesis could be confirmed. Finally, this thesis may be seen as a basis for future examinations, which could for example have a variation of the length of the art intervention as topic, observe patients for a longer period of time or deal with the implementation of art therapy into clinical daily routine or the effects art therapy has on the physical constitution of patients with stroke.

Abstract

Hintergrund und Ziele Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Kunsttherapie, in diesem Fall dem Ausmalen von Bildern, auf die psychische Genesung von Patienten nach Schlaganfall. Ein Schlaganfall ist eine Durchblutungsstörung des Gehirns mit Sauerstoffminderversorgung und Untergang von Nervenzellen in der betroffenen Region. Abhängig von den jeweils betroffenen Gehirnarealen können unterschiedlichste sensomotorische und kognitive Defizite die Folge sein. Der Schlaganfall ist ein sehr häufiges neurologisches Problem und seine sozioökonomische Bedeutung ist enorm. Das Ziel dieser Arbeit ist es, nachzuweisen, ob, inwiefern und wie stark sich das Ausmalen von Bildern auf die Erholung psychischer Funktionsstörungen bei Schlaganfallpatienten auswirkt. Eine positive Wirkung kann aufgrund der Datenlage angenommen werden, was auch therapeutische Implikationen hätte.

Methoden (Patienten, Material und Untersuchungsmethoden) Zur Überprüfung der Hypothese wurden, dem Studiendesign einer randomisierten kontrollierten prospektiven Studie entsprechend, insgesamt 143 Schlaganfallpatienten nach bestimmten Ein- und Ausschlusskriterien rekrutiert und randomisiert in eine Test- und eine Kontrollgruppe eingeteilt. Die 76 Patienten der Testgruppe erhielten zusätzlich zur standardisierten Schlaganfalltherapie auf der Stroke Unit ein Malheft, das sie nach ihren Vorstellungen gestalten konnten; die 67 Patienten der Kontroll-gruppe erhielten nur die standardisierte Schlaganfalltherapie, ohne Kunstintervention. Zu drei definierten Zeitpunkten (d.h., zu Beginn der Kunsttherapie, am Ende der Kunsttherapie und acht Wochen nach Beendigung der Kunsttherapie bzw. zu korrespondierenden Zeitpunkten in der Kontrollgruppe) wurden bei sämtlichen Patienten mithilfe von Fragebögen folgende Scores erhoben: die Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) zur Erfassung von Angst- und depressiven Störungen, die Resilienzskala 25 (RS-25) zur Quantifizierung der Resilienz und das Big Five Inventory (BFI) zur Erhebung der Persönlichkeitsstruktur. Es wurden die Veränderungen der Scores über die Zeit beobachtet und zwischen Test- und Kontrollgruppe verglichen.

Ergebnisse und Beobachtungen Nach Ablauf von acht Wochen konnten bei der HADS und der RS-25 und zu einem geringeren Ausmaß auch beim BFI signifikante Unterschiede (p < 0,05) zwischen Test- und Kontrollgruppe nachgewiesen werden. Die meisten der erzielten Effektstärken lagen in einem Bereich (0,3 ≥ r ≤ 0,5), in dem man von mittelstarken bis starken Unterschieden zwischen Test- und Kontrollgruppe sprechen kann.

(Praktische) Schlussfolgerungen und Diskussion Aus der vorliegenden Studie ließ sich schlussfolgern, dass Patienten, die die Kunstintervention hatten, sich besser und schneller von den mit dem Schlaganfallereignis verbundenen psychischen Defiziten erholten als Kontrollpatienten. Die nur zu einem geringeren Ausmaß feststellbaren Unterschiede bei der Entwicklung der Persönlichkeitsstruktur (BFI) der Patienten sind vermutlich einem vergleichsweise kurzen Beobachtungszeitraum geschuldet. Ausgehend von den Ergebnissen und deren Interpretation konnte demonstriert werden, dass das Einsetzen von Kunst sich positiv auf den Genesungsprozess von Patienten nach Schlaganfall auswirkt. Die psychische Konstitution von Patienten, die während ihres stationären Aufenthalts gemalt hatten, entwickelte sich deutlich stärker positiv, als dies bei Patienten ohne Kunstintervention der Fall gewesen war. Die Hypothese der vorliegenden Arbeit konnte somit bestätigt werden. Zuletzt kann diese Arbeit als Grundlage für zukünftige Arbeiten dienen, die etwa die Auswirkungen einer Variation der Länge der künstlerischen Intervention zum Thema haben, Patienten über einen längeren Zeitraum beobachten oder sich mit der Implementierung von Kunsttherapie in den klinischen Alltag oder den Auswirkungen von Kunsttherapie auf die körperlichen Defizite von Schlaganfallpatienten beschäftigen.

DOI
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