Prospektive Evaluation der Bestrahlung aller Läsionen gegenüber einzelner Läsionen bei Patienten mit metastasierten Tumorerkrankungen unter Immuntherapie

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2022-07-11
Issue Year
2022
Authors
Schubert, Philipp
Editor
Abstract

Hintergrund und Ziele Hellmann und Weichselbaum beschrieben die Hypothese, dass sich Patienten mit wenigen Metastasen in einem Zustand zwischen lokal begrenzter und disseminierter systemischer Ausbreitung befinden. Im Gegensatz zu letzterer Annahme kann ein solcher Patient also von lokalen Therapien profitieren, wodurch sich die Therapieintention von palliativ auf kurativ ändert. Solche Patienten befinden sich gemäß den Autoren im Zustand der Oligometastasierung. Eine der bedeutsamsten Neuentwicklungen im pharmazeutischen Sektor kommt dabei der Immuntherapie zu. Immun-Checkpoint-Inhibitoren, können bis zum heutigen Tage bereits in vielen Entitäten wie Lungentumoren und Kopf-Hals-Tumoren eingesetzt werden. Vor dem Hintergrund der neuen Therapiekonzepte im Sinne der Oligometastasierung welche lokal effektive Therapieformen fordert, liegt die Frage nahe, in wie weit die Strahlentherapie sinnvoll und effektiv mit den neuen, wirkungsvollen Systemtherapien kombiniert werden kann um einen Vorteil im Sinne der Tumorkontrolle und Überleben für den Patienten zu ermöglichen. Zur näheren Betrachtung dieses Therapieansatzes soll diese Arbeit beitragen. Material und Methoden Die prospektive nicht- interventionelle ST-ICI Studie evaluiert die Behandlung von PD-1/PD-L1 in Verbindung mit Bestrahlung bei verschiedenen Tumorentitäten. In unserer Analyse wurden Patienten selektioniert welche die Immuntherapie begleitend zur Bestrahlung erhalten haben. Hierbei wurde die Gruppe der Patienten, bei der sämtliche feststellbare Läsionen lokal behandelt wurden (all-lesion radiotherapy, al-RT) mit denen, bei der nicht alle zu diesem Zeitpunkt bekannten Metastasen bestrahlt wurden (single-lesion radiotherapy, sl-RT) verglichen. Endpunkte der Analyse waren das progressions-freie Überleben (PFS), das Gesamtüberleben (OS) und die Zeit bis zum Progress (TTP).

Insgesamt 104 Patienten wurden zwischen April 2017 und August 2019 in die Studie eingeschlossen. 50 Patienten hiervon begannen die ICI-therapie und Radiotherapie innerhalb von 30 Tagen. Die häufigste Entität war dabei das nicht kleinzellige Bronchialkarzinom (NSCLC) mit 62% gefolgt von den Kopf-Hals-Tumoren mit 26%. Zudem erfolgte die Bestrahlung am häufigsten im Bereich der Lunge mit 34% gefolgt vom zentralen Nervensystem mit 20%. Das mediane Follow-up betrug 8.6 Monate und startete mit dem Beginn der ersten Verabreichung der ICI. Das mittlere PFS lag bei 9.2 Monaten (95% CI, 5.8 – 12.6) in der Gruppe mit Bestrahlung aller Metastasen und 3.0 Monaten (95% CI, 2.5 – 3.5) in der Gruppe mit Bestrahlung nur weniger Metastasen (p<0.001). Des Weiteren ergab sich eine signifikante (p=0.007) Verbesserung des medianen Gesamtüberlebens mit 11.6 Monaten (95% CI, 8.1 - 15.1) versus 4.2 Monaten (95% CI, 3.0 - 5.4). Das mediane TTP wurde in der al-RT Gruppe im Vergleich zu 4.6 Monate (95% CI, 1.1–8.0) in der sl-RT Gruppe nicht erreicht (p=0.028). Die univariate Analyse erfolgte mittels Cox Regession. Hier bei ergab sich für die Faktoren Tumorentität, Histologie, Metastasen des zentralen Nervensystems, Art der Immuntherapie und die al-RT einen positiven Einfluss auf das OS (Effekt-p-Wert von ≤ 0.1). In der multivariaten Analyse waren nur die Faktoren Tumorentität und die Bestrahlung aller Metastasen unabhängige Prognosefaktoren. Schlussfolgerung Patienten unter PD-1/PD-L1 Immun- checkpoint- inhibitor- Therapie profitieren von der lokalen Bestrahlung aller beschriebener Läsionen im Vergleich zur Bestrahlung lediglich einer definierten Metastase. Somit scheint die Kombination einer Strahlentherapie aller abgrenzbaren Läsionen bei oligometastasierten Patienten mit einer Immuntherapie ein vielversprechender Ansatz zukünftiger onkologischer Therapie zu sein.

Citation
Frontiers in Oncology 2020
DOI
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