Analyse der Langzeit - Lebensqualität nach Resektion eines Rektumkarzinoms mit dem Fragebogen der EORTC QLQ-CR29

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2022-02-28
Issue Year
2022
Authors
Oberkofler, Benno
Editor
Abstract

Hintergrund und Ziele Durch die stetige Verbesserung der Tumortherapie ist neben der Verlängerung des Gesamtüberlebens auch die verbleibende Lebensqualität der Patienten ein wichtiger Aspekt. Ziel dieser Arbeit ist es, die Lebensqualität von Langzeitüberlebenden nach Resektion eines Rektumkarzinoms hinsichtlich patienten- und behandlungsbezogener Faktoren zu untersuchen. Außerdem soll der neue Lebensqualitäts-Fragebogen QLQ-CR-29 der EORTC (European Organization for Research and Treatment of Cancer) mit dem früher angewandten QLQ-CR38 verglichen werden.

Methoden Zwischen 01.01.1998 und 31.12.2000 wurden insgesamt 263 Patienten mit primär invasivem kolorektalem Karzinom in der chirurgischen Klinik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg reseziert. Zum Zeitpunkt der Befragung (2010) lebten noch 118 Patienten (44,9%). Diese 118 Patienten wurden gebeten, die Lebensqualitäts-Fragebögen auszufüllen und an uns zurück zu senden. Die Lebensqualität (QOL, Quality Of Life) wurde anhand von zwei validierten Fragebögen (QLQ, Quality Of Life questionnaire) der EORTC erhoben, den deutschen Versionen des QLQ-C30 und QLQ-CR29.

Ergebnisse und Beobachtungen Es zeigte sich ein besseres soziales Funktionsniveau für Patienten mit Tumoren im mittleren und oberen Rektumdrittel (p=0,039) und Patienten ohne Radiochemotherapie (p=0,037). Pouch-Träger waren mit ihrem Gewicht weniger zufrieden (p=0,041) und waren öfter durch ihren Stuhlgang beschämt als Patienten mit einer geraden Anastomose (p=0,039). Bezüglich der Darmfunktion zeigten Patienten nach einer Radiochemotherapie eine höhere Stuhlfrequenz/Beutelwechsel (p=0,027), waren mehr über ihren Stuhlgang beschämt (p=0,017) und litten mehr unter wunder Haut (p=0,008) und Stuhlinkontinenz/undichten Stomabeuteln (p=0,024). Patienten, bei denen eine abdominoperineale Rektumexstirpation durchgeführt wurde, zeigten weniger Probleme mit Flatulenzen als Patienten nach intersphinkterer Rektumresektion (p=0,001). Stoma-Patienten litten seltener unter Bauchschmerzen (p=0,022), einem aufgeblähten Gefühl (p=0,003) und Flatulenzen (p=0,003). Patienten mit einem Alter von 70 oder älter litten öfters unter Stuhlinkontinenz/undichten Stomabeuteln (p=0,011), zeigten eine schlechtere körperliche Funktionsfähigkeit (p=0,009) und hatten eine höhere Miktionsfrequenz (p=0,013). Hinsichtlich sexuellen Interesses zeigte sich Dyspareunie häufiger bei Patientinnen der Radiochemotherapie-Gruppe (p=0,002), bei Männern zeigte sich ein vermindertes sexuelles Interesse (p=0,036, insbesondere bei männlichen Stoma-Patienten (p=0,014).

Schlussfolgerungen und Diskussion In der Gesamtauswertung wurde die höchste Punktezahl in den symptombezogenen Skalen (also schlechte Lebensqualität) für Impotenz und Miktionsfrequenz vergeben. Beides ist als Nebenwirkung der Behandlung bekannt. In den funktionsbezogenen Scores zeigten sich die niedrigsten Werte (also schlechte Lebensqualität) für das sexuelle Interesse bei beiden Geschlechtern. Die Radiochemotherapie senkt das Lokalrezidivrisiko, hat aber auf das Überleben nur geringe Auswirkungen, da sie Fernmetastasen nicht verhindern kann. Lokalrezidive gehen jedoch mit stärksten Schmerzen einher sodass die Radiochemotherapie indirekt die Lebensqualität durch die Verhinderung von Lokalrezidiven verbessert. Trotzdem gibt es auch zahlreiche negative Aspekte der Lebensqualität nach Radiotherapie. Insgesamt bestehen hinsichtlich der Lebensqualität bei Langzeitüberlebenden keine großen Unterschiede. Der neue Lebensqualität-Fragebogen QLQ-CR29 stellt im Vergleich zum QLQ-CR38 eine signifikante Verbesserung dar und ist patientengerechter gestaltet.

DOI
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