Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten bei Patienten mit malignen Kopf-Hals-Tumoren - Status quo und ihre Einflussfaktoren

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2022-11-28
Issue Year
2022
Authors
Allner, Moritz
Editor
Abstract

1.1. Hintergrund und Ziele Vorausschauende Versorgungsplanung, die Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten miteinschließt, ist ein hochaktuelles Thema, das darauf abzielt, die Patientenautonomie zu stärken und medizinische Überbehandlungen zu reduzieren. Daten von Patienten mit Kopf- und Halstumoren (HNC) liegen derzeit nicht vor. Hauptziel dieser Studie war es, die Häufigkeit von Patientenverfügungen bei Patienten mit Kopf- und Halstumoren zu erheben.

1.2. Methoden In dieser monozentrischen Querschnittsstudie untersuchten wir Patienten während ihrer regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen an Deutschlands größtem Kopf-Hals-Tumorzentrum hinsichtlich der Häufigkeit, der Merkmale und der Einflussfaktoren für die Erstellung von Patientenverfügungen anhand eines auf unsere Kohorte zugeschnittenen Fragebogens. Zu den Patientenverfügungen gehörten Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten und Kombinationsdokumente.

1.3. Ergebnisse

Vierhundertsechsundvierzig Patienten wurden vom 01.07.2019 bis 31.12.2019 befragt. Das Durchschnittsalter betrug 62,4 Jahre (SD 11,9), 26,9 % waren Frauen (n=120). 46,4 % der Patienten (n=207) gaben an, mindestens eine Patientenverfügung verfasst zu haben. Zu diesen Dokumenten gehörten 16 Vorsorgevollmachten (3,6 %), 75 Patientenverfügungen (16,8 %) und 116 Kombinationsdokumente (26,0 %). In der multivariaten Regressionsanalyse erwiesen sich ein höheres Alter (OR≤0,396, 95% CI 0,181-0,868; p=0,021), regelmäßige Medikamenteneinnahme (OR=1,896, 95% CI 1,029-3,494; p=0,040) und der Familienstand (verheiratet: OR=2,574, 95% CI 1,142-5,802; p=0,023; und feste Partnerschaft: OR=6,900, 95% CI 1,312-36,295; p=0,023) als signifikante Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit für das Vorhandensein eines Vorsorgedokumentes erhöhen. Im Gegensatz dazu korrelierten das Krankheitsstadium, das Therapieschema, der ECOG-Status und die Zeit seit der Erstdiagnose nicht mit dem Vorhandensein eines Vorsorgedokumentes. Einundneunzig Patienten (44 %) mit Vorsorgedokumenten erstellten ihre Dokumente vor der Erstdiagnose von Kopf- und Halskrebs. Die meisten Patienten, die sich dazu entschließen, ein Vorsorgedokument zu verfassen, treffen diese Entscheidung selbst oder werden von ihrem unmittelbaren Umfeld dazu motiviert. Nur 7 % der Patienten (n=16) haben sich bewusst dagegen entschieden, ein Vorsorgedokument zu erstellen.

1.4. Schlussfolgerung Weniger als die Hälfte der Patienten mit Kopf- und Halstumoren hatte ein Vorsorgedokument erstellt und nur sehr wenige Patienten haben sich bewusst dagegen entschieden. Bei älteren und komorbiden Patienten, die verheiratet waren oder in einer festen Partnerschaft lebten, war die Wahrscheinlichkeit höher, dass ein entsprechendes Dokument vorlag. Vorsorgedokumente sind ein wesentliches Element zur Stärkung der Patientenautonomie und ermöglichen es den Patienten, nach ihren Wünschen behandelt zu werden, auch wenn sie nicht einwilligungsfähig sind. Daher sollten maximale Anstrengungen unternommen werden, um das Vorhandensein von Vorsorgedokumenten zu erhöhen, insbesondere bei Patienten mit Kopf- und Halstumoren, deren Krankheit oft einen krisenhaften Verlauf nimmt.

Citation

BMC Palliative Care 21, Article number: 47 (2022) ; 10.1186/s12904-022-00932-5

DOI
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