Vernetzt – Eine multiskalare Untersuchung der Funktionen sozialer Netzwerke: Implikationen und Anwendungen im Kontext der Pädagogischen Psychologie

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2023-07-17
Issue Year
2023
Authors
Hopp, Manuel D.S.
Editor
Abstract

This dissertation uses a 3 × 3 categorization system to examine three main functions of social networks (social support, social capital, and social influence) in three scales (micro, meso, and macro) of social network analysis in the context of educational psychology. Specific issues in the areas of study participants' perceptions of loneliness, mentees' online mentoring outcomes, and students' network dynamics and perceived creativity are addressed. The first chapter motivates the need for social network analysis as an integral part of the methodological pool in educational research. Furthermore, different approaches to the analysis of complex (social) systems are pointed out: relation intensive, time intensive, and time-relation intensive. This dissertation is predominantly situated in the relation intensive domain. The second chapter gives a network theoretical overview. Here, the elements and conceptualization of social networks are introduced. In addition, the three scales used (the micro, meso, and macro levels) are explained. The third chapter introduces the three studied network functions (i.e., social support, social capital, and social influence), which are addressed with the help of the manuscripts. The fourth chapter serves as an overview of the various research questions and organizes them into the Network Function × Scale categorization scheme. The fifth chapter addresses the first manuscript, which addresses the network function of social support. In the micro level, the loneliness perception of students' social networks during the lockdown caused by the COVID 19 pandemic is investigated. Here, the focus lies on how the structure of students' close social relationships is associated with the perceived feeling of loneliness. The results imply that homogeneous networks of close relationships are related to lower feelings of loneliness. The sixth chapter addresses the second network function: social capital mediated by the social network. The second manuscript examines the communication network of an online mentoring platform, which is located in the meso level. The main finding is that a mentee's position in this network is positively associated with her elective intention for mathematics, computer science, natural sciences, and technology (STEM), and thus social capital takes on a role to be considered in online mentoring as well. The seventh chapter presents the research results from the third manuscript. It examines the network function of social influence between mentees in the context of online mentoring. The communication network, which is located in the meso-level, is captured longitudinally to allow separation of selection mechanisms from influence mechanisms. The results suggest that age-moderated social influence occurs in online mentoring and is positively related to the mentoring successes studied. Peers may therefore be positively associated with mentees' confidence in their own STEM skills and STEM-related activities. Chapter eight discusses the fourth manuscript, which examines the network dynamics and self-organizing principles of two networks (multilevel network) of Irish high-achieving students of a summer school. To model the influence of perceived creativity between students on friendship formation, the coevolution of networks consisting of dyadic perceived creativity and friendship is examined longitudinally. The results reveal the added value of social network analysis, as a positive effect of perceived creativity is identified at the dyadic level - but rather a negative effect of creativity on friendship nomination at the group level. In the ninth chapter the results are discussed, embedded in a larger research context and further time-intensive as well as time-relation intensive research possibilities are pointed out.

Abstract

In der vorliegenden Dissertation werden mit Hilfe eines 3 × 3 Kategorisierungssystems drei Hauptfunktionen sozialer Netzwerke (soziale Unterstützung, soziales Kapital und sozialer Einfluss) in drei Größenskalen (Mikro-, Meso- und Makroebene) sozialer Netzwerkanalysen im Kontext der Pädagogischen Psychologie untersucht. Hierbei werden spezifische Fragestellungen aus den Bereichen des Einsamkeitsempfindens von Studierenden, der Online-Mentoring-Ergebnisse von Mentees sowie Netzwerkdynamiken von Schüler:innen und deren wahrgenommener Kreativität adressiert. Im ersten Kapitel wird die Notwendigkeit von sozialen Netzwerkanalysen als fester Bestandteil des Methodenpools in der Bildungsforschung motiviert. Des Weiteren werden unterschiedliche Zugänge zur Analyse von komplexen (sozialen) Systemen aufgezeigt: Relational intensiv, zeitlich intensiv und zeitlich-relational intensiv. Die vorliegende Dissertation ist vorwiegend im relational intensiven Bereich angesiedelt. Das zweite Kapitel gibt einen netzwerktheoretischen Überblick. Hier werden die Elemente und die Konzeptualisierung von sozialen Netzwerken eingeführt. Darüber hinaus werden die drei verwendeten Größenskalen (die Mikro-, Meso- und die Makroebene) erklärt. Das dritte Kapitel führt die drei untersuchten Netzwerkfunktionen (soziale Unterstützung, soziales Kapital und sozialer Einfluss) ein, die mit Hilfe der Manuskripte adressiert werden. Das vierte Kapitel dient als Übersicht der verschiedenen Forschungsfragen und gliedert sie in das Kategorisierungsschema Netzwerkfunktion × Größenskala ein. Das fünfte Kapitel behandelt das erste Manuskript, welches die Netzwerkfunktion der sozialen Unterstützung adressiert. In der Mikroebene wird das Einsamkeitsempfinden von sozialen Netzwerken Studierender während des durch die COVID 19-Pandemie bedingten Lockdowns untersucht. Hierbei steht die Fragestellung im Vordergrund, wie die Struktur der engen sozialen Beziehungen der Studierenden mit dem wahrgenommenen Einsamkeitsgefühl assoziiert ist. Die Ergebnisse implizieren, dass homogene Netzwerke aus engen Beziehungen mit geringerem Einsamkeitsempfinden zusammenhängen. Das sechste Kapitel adressiert die zweite Netzwerkfunktion: Das soziale Kapital, welches durch das soziale Netzwerk vermittelt wird. Das zweite Manuskript untersucht das Kommunikationsnetzwerk einer Online-Mentoring Plattform, welches in der Mesoebene angesiedelt ist. Als Hauptergebnis wird festgestellt, dass die Position einer Men-tee in diesem Netzwerk mit ihrer Wahlintention für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) positiv assoziiert ist und somit das soziale Kapital auch bei Online-Mentoring eine zu beachtende Rolle einnimmt. Im siebten Kapitel werden die Untersuchungsergebnisse vom dritten Manuskript dargestellt. Dieses untersucht die Netzwerkfunktion des sozialen Einflusses zwischen Mentees im Kontext von Online-Mentoring. Das Kommunikationsnetzwerk, welches sich in der Mesoebene befindet, ist längsschnittlich erfasst, um somit Selektionsmechanismen von Einflussmechanismen zu trennen. Die Ergebnisse suggerieren, dass altersmoderierter sozialer Einfluss bei Online-Mentoring auftritt und mit den untersuchten Mentoring-Erfolgen positiv zusammenhängen. Peers können daher positiv mit dem Vertrauen von Mentees in die eigenen MINT-Fähigkeiten und die MINT-bezogenen Aktivitäten assoziiert sein. Im achten Kapitel wird das vierte Manuskript behandelt, in dem die Netzwerkdynamiken und Selbstorganisationsprinzipien zweier Netzwerke (multiebenen Netzwerk) von irischen hochbegabten Schüler:innen einer Sommerschule untersucht werden. Um den Einfluss von wahrgenommener Kreativität zwischen den Schüler:innen auf die Freundschaftsformation zu modellieren, wird die Koevolution der Netzwerke bestehend aus der dyadisch wahrgenommenen Kreativität und Freundschaft längsschnittlich untersucht. Die Ergebnisse offenbaren den Mehrwert von sozialer Netzwerkanalyse, da hierbei auf dyadischer Ebene ein positiver Effekt von wahrgenommener Kreativität – jedoch auf Gruppenebene eher ein negativer Effekt von Kreativität auf die Freundschaftsnominierung identi-fiziert werden. Im neunten Kapitel werden die Ergebnisse diskutiert, in größeren Forschungskontext eingebettet und weitere zeitlich intensive sowie zeitlich-relational intensive Forschungsmöglichkeiten aufgezeigt.

DOI
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