Prognostische Faktoren beim Nierenzellkarzinom

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2012-07-04
Issue Year
2012
Authors
May, Judith
Editor
Abstract

This retrospective study comprises the data of 244 patients with newly diagnosed RCC. The median follow up of the patients was 52 month (range: 6 – 116 month). Prognostic factors assessed in this study were on one hand general factors such as gender, age, body mass index (BMI), blood pressure, hemoglobin, thrombocyte and leukocyte counts, and on the other hand tumor specific factors such as lymph node status, metastasis to solid organs and tumor grading. The study cohort was analyzed for conspicuities and risk factors with regards to the general factors mentioned above (clinical symptoms, gender, BMI,…), clinical and tumor specific factors (staging, grading, blood cell counts,…), and regional factors (place of living, place of birth). The gender ratio (male : female) was 1 : 1.62 and the average age at the time of diagnosis was 65.24 years. Both findings are well in accordance with the current literature.  The average BMI was 28.24 (pre-adipose state according to world health organization (WHO) criteria). An elevated BMI is considered to be a risk factor for the incidence of RCC as well as a positive prognostic factor for survival in patients with manifest RCC according to other studies. The first thesis can be confirmed in this study though the generally elevated BMI of the Bavarian population has to be taken into account for the interpretation of the results. More detailed studies to explore the relationship between BMI and incidence of RCC would be beneficial. The second thesis could also be confirmed. Patients in adipose and pre-adipose state according to WHO criteria showed a longer overall survival compared to patients with normal BMI. More detailed studies are and will be conducted to investigate the BMI as prognostic factor for survival of patients with RCC. An interesting finding in this study is the fact that neither place of living nor place of birth had a significant impact on the incidence of RCC. On the contrary to the western part of Franconia the incidence and prevalence of RCC in the Coburg region and the southern parts of Thuringia are more consistent with the findings for the rest of Germany. The incidence of RCC in the Coburg region and southern Thuringia is within the 30th percentile of the statistical range for the entire country. The value of diagnostic imaging, especially sonography as inexpensive, efficient and fast real time imaging modality is well known. Like in other studies, the importance and efficiency of sonography to differentiate between incidental and symptomatic pathologies, yielding a different prognosis for patient´s survival, could be confirmed in this analysis. A sonography of the kidneys for example within a general check-up or as examination paid individually by the patient within a private consultation (IGel) is advisable for patient from 50 years of age on. With regards to tumor staging, the findings of this study are well in accordance to the current literature. Like in other studies we found a shift towards smaller tumor lesions. This can be explained by an increasing number of incidentally detected RCCs in an early tumor stage. Likewise the rate of lymph node metastases (10.2% of the study population) and synchronous and metachronous metastases in solid organs (7.4 and 19.14% of the study population respectively) is comparable to the current literature. We observed a shift to G1/G2 tumors (88.8% of all newly diagnosed RCCs). This can also be explained by the incidental detection of yet clinically asymptomatic tumor lesions. In histologic examinations the predominance of clear cell RCC was found, confirming the findings of other studies. In the actuarial survival curve a significant influence of the investigated prognostic factors could not be demonstrated. We observed tendencies corresponding to the literature. Remarkably we did not find a significant difference in the average overall survival between patients with and without distant metastases. This can likely be explained with long survival of several M1 patients (up to 80 month) and the small sample size of M1 patients. The reason for the prolonged survival of these patients should be investigated in more detail. With regards to the median overall survival a significant difference between M0 and M1 patients could be demonstrated. No single factor assessed in this study could by itself be determined as risk factor or positive prognostic factor.

Abstract

Unter Berücksichtigung verschiedener Anhaltspunkte und auch regionaler Einflüsse ist es Ziel der vorliegenden Arbeit, Erkenntnisse über allgemeine, prognostische Einflüsse im Überleben bei Patienten mit Nierenzellkarzinom zu gewinnen und gleichzeitig regionale Besonderheiten zu entdecken und zu klären. In die retrospektive Studie einbezogen wurden Faktoren wie Geschlecht, Alter, BMI, Hämoglobinwert, Blutdruckwerte, Thrombozytenzahl, Lymphknotenstatus, Fernmetas-tasierung und Grading. Gleichzeitig wurde das Kollektiv auf allgemeine, klinische und regionale Risikofaktoren auf Auffälligkeiten geprüft. Zu diesem Zweck wurden vom 01.01.1997 bis 31.12.2006 die Patientendaten von 244 Probanden der Urologischen Klinik des Klinikums Coburg mit der Erstdiagnose eines Nierenzellkarzinoms retrospektiv erhoben und analysiert. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 52 Monate (6-116 Monate). Die Geschlechterverteilung entsprach mit 1:1,62 (♂:♀) ebenso der gängigen Literatur wie auch das Durchschnittsalter bei Diagnosestellung (65,24 Jahre). Der ermittelte Durchschnitts-BMI lag mit 28,24 im Praeadipositasstadium nach WHO-Kriterien. In der Literatur wird ein erhöhter BMI als Risikofaktor beschrieben, jedoch auch als positiver prognostischer Faktor bei nachgewiesener Erkrankung benannt. Die erste Aussage kann laut ermittelten Ergebnissen durchaus nachvollzogen werden, jedoch muss auch hier der in anderen Studien belegte, erhöhte BMI-Wert in der bayrischen Bevölkerung berücksichtigt werden. Die zweite Aussage kann tendenziell bestätigt werden. Personen im Adipositas- und Praeadipositasstadium weisen ein längeres Überleben auf als Normalgewichtige. Interessant ist der regionale Einfluss in der vorliegenden Arbeit. Weder Wohnort bei Diagnosestellung noch Geburtsort brachten signifikante Unterschiede im Vergleich zum gesamtdeutschen Durchschnitt. Anders als in Unterfranken kann der viel zitierte Ausläufer des Bauches mit Erkrankungshäufung in Mitteldeutschland nicht bestätigt werden, sowohl Prävalenz als auch Inzidenz im Raum Coburg und Südthüringen entsprechen dem deutschen Durchschnitt bzw. sind in der Statistik eher im hinteren Drittel zu finden. Bekannt ist die Wertigkeit der bildgebenden Verfahren bei der Diagnostik. Vor allem die Sonografie als billiges, schnelles und effizientes Hilfsmittel ist hierbei hervorzuheben. Wie in schon zahlreichen Studien belegt, zeigt sich auch in dieser Arbeit die Wichtigkeit derselben bei einem Vergleich zwischen inzidentellen und symptomatischen Befunden, welche ja gleichzeitig eine unterschiedliche Prognose aufweisen. Beim Staging zeigten sich keine neuen Erkenntnisse. Die Verschiebung in Richtung kleiner Tumore wurde in mehreren Studien belegt und wird auch hier deutlich. Zu erklären ist dies mit der Zunahme an inzidentellen Befunden, die in der Regel ein frühes Tumorstadium und damit auch eine kleinere Tumorgröße aufweisen. Die Lymphknotenbeteiligung (10,2% aller Beteiligten) entspricht, soweit vergleichbar, der gängigen Literatur, ebenso die synchrone (7,4% der Patienten) und die metachrone (19,14% der nachbeobachteten Probanden) Metastasierung. Beim Grading wurde die Verschiebung in Richtung G1/G2-Tumoren deutlich, da 88,8% diesen beiden Gruppen zugeordnet werden konnten. Auch dies ist mit der Zunahme der inzidentellen Tumoren in noch asymptomatischen Stadium zu erklären. In der histologischen Untersuchung ist die herausragende Stellung des klarzelligen NZK seit Jahren bekannt und kann auch hier bestätigt werden. Bei den Überlebenskurven konnte keine Signifikanz festgestellt werden. Es kann lediglich von Trends gesprochen werden, die soweit ermittelt, den gängigen Studien entsprechen. Auffallend war, dass es keinen signifikanten Unterschied im Überleben in der Gruppe der Fernmetastasen und der nicht metastasierten Gruppe gab. Dies ist mit dem auffällig langen Überleben einiger M1-Probanden bei insgesamt weniger Patienten zu erklären. Unter Berücksichtigung des Medians zeigte sich dann eine Signifikanz im Überleben der M0 im Vergleich zur M1-Gruppe wie in der Literatur beschrieben. Abschließend ist zu bemerken, dass kein einzelner Wert als Risikofaktor oder als prognostischer Faktor erkannt werden konnte. Für beide Fälle war jedoch eine Kombination aus verschiedenen Werten als aussagekräftig einzustufen. Es empfiehlt sich demnach eine Mischung aus klinischen, laborchemischen, pathologischen, molekularen und genetischen Faktoren. Genauere Untersuchungen sollten in dieser Hinsicht weiterhin stattfinden, gezielte Kombinationen sollten dabei auf Signifikanz und/oder Überlebensvorteile geprüft werden. Gleichzeitig sollte jedoch die Kostenfrage und damit auch die Sinnhaftigkeit dieser Untersuchungen berücksichtigt werden.

DOI
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