Somatoforme Schmerzstörung: Zusammenhänge zwischen dem Bindungsstil, belastenden Kindheitserfahrungen, der Anzahl traumatischer Lebensereignisse und der sozialen Zurückweisungsempfindlichkeit. Ergebnisse einer Case-control study

dc.contributorErim, Yesim
dc.contributorStemmler, Mark
dc.contributorFrancis, Roland
dc.contributor.advisorErim, Yesim
dc.contributor.authorNacak, Yeliz
dc.date.accessioned2024-05-10T06:30:43Z
dc.date.available2024-05-10T06:30:43Z
dc.date.issued2024
dc.description.abstractHintergrund und Ziele: Die somatoforme Schmerzstörung ist eine häufig auftretende psychische Erkrankung in Deutschland. Sie ist gekennzeichnet durch einen subjektiv empfundenen, mindestens sechs Monate andauernden, intensiven Schmerz in einem Körperteil, der nicht ausreichend durch eine somatische Störung oder ein physiologisches Geschehen erklärt werden kann. Die Ursache dieser komplexen Störung scheint aus einem Zusammenspiel von mehreren Faktoren zu entstehen. Bisherige Untersuchungen zur Ätiologie und Aufrechterhaltung der somatoformen Schmerzstörung ziehen ein biopsychosoziales Modell zur Erklärung herbei, welches eine wechselseitige Interaktion der genetisch-biologischen, intra- und innerpsychologischen sowie sozialen Faktoren beschreibt. Jedoch ist die Ätiologie dieser Erkrankung bisher noch nicht abschließend verstanden und untersucht worden. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, angeknüpft an frühere Ergebnisse, weitere Erkenntnisse über die komplexen Zusammenhänge zu gewinnen. In der vorliegenden Arbeit lag der Fokus auf belastenden Kindheitserlebnissen, traumatischen Lebensereignissen, dem Bindungsstil (Teilstudie I) und der Zurückweisungsempfindlichkeit in interpersonellen Interaktionen (Teilstudie II). Ziel dieser Arbeit war es, die Zusammenhänge dieser Faktoren an einer diagnostisch gut abgeklärten und repräsentativen Stichprobe zu untersuchen und mit einer alters- und geschlechtsgleichen, gesunden Kontrollgruppe zu vergleichen. Es wurde untersucht, ob Patient*innen mit einer somatoformen Schmerzstörung häufiger einen unsicheren Bindungsstil aufweisen und häufiger über kritische, traumatische Ereignisse berichten als gesunde Kontrollpersonen. Ferner war das Ziel die Untersuchung der korrelativen Zusammenhänge zwischen einer unsicheren Bindung, der Anzahl traumatischer Lebensereignisse und traumatischer Kindheitserlebnisse und einer somatoformen Schmerzstörung (Teilstudie I). Da die Zurückweisungsempfindlichkeit häufig mit psychischen Störungen in Verbindung gebracht wird, aber bei Patient*innen mit einer somatoformen Schmerzstörung bisher nicht erforscht wurde, war es auch ein Ziel, die Ausprägung der Zurückweisungsempfindlichkeit bei dieser Patient*innengruppe zu untersuchen. Außerdem wurde auch der Zusammenhang zwischen den verschiedenen psychischen Faktoren und der Zurückweisungsempfindlichkeit sowie der potenziell moderierende Einfluss der somatoformen Schmerzstörung analysiert (Teilstudie II). Methode: Zur Beantwortung der Fragestellungen wurde ein Case-Control-Design konzipiert. Im Zeitraum von August 2014 bis Mai 2015 wurden 100 Patient*innen mit der (Verdachts-) Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung zur Teilnahme an der Studie eingeladen. 65 Patient*innen stimmten der Studienteilnahme zu. Zur Sicherstellung der Diagnose der somatoformen Schmerzstörung sowie komorbider affektiver Störungen wurde mit allen teilnehmenden Patient*innen ein strukturiertes, klinisches Interview zur Diagnostik von psychischen Störungen (SKID-I) nach DSM-4 (Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen) durchgeführt. Eine alters- sowie geschlechtsangepasste, gesunde Kontrollgruppe mit 65 Teilnehmer* innen wurde ebenfalls rekrutiert und dem klinischen Interview (SKID-I) unterzogen, um das Vorhandensein von psychischen Störungen auszuschließen. Folgende validierte Selbstbeurteilungsfragebögen wurden eingesetzt: Gesundheitsfragebogen zur Erfassung depressiver und somatischer Symptome (Patient Health Questionnaire, PHQ-9, PHQ-15), Bindungsfragebogen (Relationship Questionnaire, RQ), Erfassung traumatischer Lebensereignisse (Essener Trauma-Inventar, ETI), Fragebogen zu Kindheitstraumata (Childhood Trauma Questionnaire, CTQ-34), Fragebogen zur sozialen Zurückweisungsempfindlichkeit (Rejection Sensitivity Questionnaire, RSQ). Ergebnisse: In der Teilstudie I wurde der unsichere Bindungsstil bei Patient*innen mit einer somatoformen Schmerzstörung signifikant häufiger (60%) als bei gesunden Probanden*innen (14%; p< 0.001) beobachtet. Patient*innengruppe erreichte zudem signifikant höhere Werte im Fragebogen zu Kindheitstraumata (CTQ) als gesunden Kontrollpersonen, darunter waren die Skalen emotionale und körperliche Vernachlässigung klinisch auffällig. Ein starker Zusammenhang zwischen der somatoformen Schmerzstörung und dem unsicheren Bindungsstil (odds ratio, OR= 11.20, 95% CI: 1.32-94.86), depressiven Symptomen (OR= 3.35, 95% CI: 1.84-6.11) und der Anzahl traumatischer Ereignisse (OR= 2.04, 95% CI: 1.06-3.92) war zu verzeichnen (86,2% Varianzaufklärung) (Teilstudie I). Auch wiesen Patient*innen mit einer somatoformen Schmerzstörung eine höhere Zurückweisungsempfindlichkeit im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe (M= 10.30, SD= 5.64; M= 6.13, SD= 2.50; p< 0.001; d= 0.95) auf. Depressive Symptome (p< 0.001), belastende Kindheitserlebnisse (p< 0.001) sowie unsicherer Bindungsstil (p< 0.001) waren mit der Zurückweisungsempfindlichkeit signifikant assoziiert, auf die die somatoforme Schmerzstörung keinen moderierenden Effekt hatte (Teilstudie II). Schlussfolgerungen: Der hohe prädiktive Wert des unsicheren Bindungsstils und der kumulative Einfluss traumatischer Ereignisse unterstreichen die Bedeutung als mögliche Risikofaktoren für die Entstehung und Aufrechthaltung einer somatoformen Schmerzstörung. Darüber hinaus bestätigte sich in der Teilstudie II die hohe Zurückweisungsempfindlichkeit der Patient*innen mit einer somatoformen Schmerzstörung und ebenfalls die Bedeutung als ein Risikofaktor für die Entstehung oder Aufrechterhaltung des Störungsbildes. Ferner konnte gezeigt werden, dass ein unsicherer Bindungsstil, depressive Symptome und belastende Kindheitserfahrungen stark mit der Zurückweisungsempfindlichkeit assoziiert waren. Längsschnittstudien sind erforderlich, um herauszufinden, wie die Zurückweisungsempfindlichkeit mit der somatoformen Schmerzstörung über die gesamte Lebensspanne zusammenhängt und wie der Bindungsstil und die traumatischen Lebensereignisse die Genese einer somatoformen Schmerzstörung bedingen.de
dc.identifier.citationNacak Y, Morawa E, Tuffner D, Erim Y. Insecure attachment style and cumulative traumatic life events in patients with somatoform pain disorder: A cross-sectional study. J Psychosom Res. 2017 12; 103:77-82. doi: 10.1016/j.jpsychores.2017.10.003.
dc.identifier.citationNacak Y, Morawa E, Erim Y. High Rejection Sensitivity in Patients With Somatoform Pain Disorder. Front Psychiatry. 2021 3; 29:602981. doi: 10.3389/fpsyt.2021.602981.
dc.identifier.urihttps://open.fau.de/handle/openfau/31051
dc.identifier.urihttps://doi.org/10.25593/open-fau-619
dc.language.isode
dc.provenanceFriedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), Medizinische Fakultät
dc.rights.urihttps://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/
dc.subjectBindung, Bindungsstil, negative Kindheitserfahrungen, Trauma, Zurückweisungsempfindlichkeit, somatoforme Schmerzstörung
dc.titleSomatoforme Schmerzstörung: Zusammenhänge zwischen dem Bindungsstil, belastenden Kindheitserfahrungen, der Anzahl traumatischer Lebensereignisse und der sozialen Zurückweisungsempfindlichkeit. Ergebnisse einer Case-control studyde
dc.typedoctoralthesis
local.date.accepted2024-04-24
local.sendToDnbfree
local.subject.fakultaetKlinik für Psychosomatik und Psychotherapie
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