Telemedizinische Erhebung von OCT- und Augeninnendruckbefunden in einer Kohorte gesunder Berufstätiger: eine epidemiologische Studie

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2021-07-19
Issue Year
2021
Authors
Grau, Elisabeth
Editor
Abstract

Hintergrund In größeren Betrieben sollte im Rahmen der betriebsärztlichen Untersuchung eine regelmäßige Augenuntersuchung stattfinden, um Augenerkrankungen, die das Sehvermögen bedrohen, rechtzeitig zu erkennen. Methoden wie die optische Kohärenztomographie und die kontaktlose Augeninnendruckmessung sind hierbei zum Screening geeignet. Andere Studien zeigten be- reits, dass „virtuelle Augenkliniken“ in Form eines telemedizinischen Settings hierbei von gros- sem Wert sind. Aktuell besteht ein Mangel an epidemiologischen Studien bezüglich der Prä- valenz relevanter Augenerkrankungen in Deutschland. Aufgrund demographischer und medi- zinischer Veränderungen ist eine umfassende Erhebung des Status quo von großer Relevanz zur Planung der zukünftigen Versorgung. In unserer Studie wurden Mitarbeiter eines großen Unternehmens telemedizinisch untersucht, um epidemiologische Informationen über die Prä- valenz von Augenerkrankungen wie Glaukom, okuläre Hypertension, hypertensive Retinopa- thie, diabetische Retinopathie, epiretinale Gliose, makuläre Drusen, altersassoziierte Makula- degeneration, adulte vitelliforme Makulopathie, zystoide Makulopathie und Aderhautnaevi zu erfassen. Methoden Die Querschnittsstudie umfasste die Anamnese und Untersuchung von 931 Beschäftigten im Alter von 39 bis 65 Jahren. Die Augenuntersuchung fand mithilfe eines telemedizinischen Set- tings in einer „Mini Clinic“ durch einen medizinisch-technischen Assistenten vor Ort statt. Un- tersucht wurden jeweils beide Augen mit einem Non-Contact-Tonometer (Non-Contact-Tono- meter NT530/510, Nidek Co., LTD) und einem optischen Kohärenztomographen (Spectralis SD-OCT, Heidelberg Engineering). Die gesammelten Daten wurden direkt nach Aufnahme in der cloudbasierten Patientenakte MedStage® (Talkingeyes&More GmbH, Erlangen) gespei- chert, am selben Tag standardisiert telemedizinisch befundet, und es wurde ein digitaler Arzt- brief erstellt. Für die statistische Auswertung der klinischen Ergebnisse wurde das Programm SPSS 21.0 für Windows (SPSS Inc., Chicago, IL, USA) verwendet. 1 Ergebnisse und Beobachtungen Die Prävalenz der diagnostizierten Augenerkrankungen belief sich in unserer untersuchten Ko- horte, welche repräsentativ für die arbeitende Gesellschaft ist, auf 13,47%. Aufgeteilt nach Dia- gnosen beinhaltete diese: okuläre Hypertension (5,7%), hypertensive Retinopathie mit einer Verdünnung der temporalen retinalen Nervenfaserschicht (2,3%), epiretinale Gliose (1,07%), makuläre Drusen (0,85%), altersassoziierte Makuladegeneration und adulte vitelliforme Ma- kulopathie (0,53%), Glaukom (0,97%), diabetische Retinopathie (0,2%), zystoide Makulopa- thie (0,2%) und einen Aderhautnaevus (0,1%). Bei zwei der Probanden wurden Diagnosen, welche einen dringenden Handlungsbedarf erfordern, gestellt: eine Netzhautablösung (0,1%) und ein Glaukom, begleitet von einem Augeninnendruck über 25 mmHg (0,1%). Schlussfolgerungen Mithilfe eines telemedizinischen Settings konnten wir wertvolle epidemiologische Daten über die Prävalenz von Augenerkrankungen in einer für die arbeitende Gesellschaft repräsentativen Kohorte sammeln. Virtuelle Augenkliniken sind eine geeignete Methode, um das Sehvermögen von Mitarbeitern ohne großen infrastrukturellen Aufwand zu überwachen und zu verbessern.

DOI
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