Vergleichendes perioperatives Monitoring der Schleimhautperfusion bei Patienten mit Medikamenten-assoziierter Kiefernekrose und Osteoradionekrose

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2022-04-11
Issue Year
2022
Authors
Ringleb, Melina
Editor
Abstract

Hintergrund und Ziele Bisphosphonate sind zur Therapie von Osteoporose, knöchernen Metastasen und dem Multiplen Myelom etabliert; eine schwerwiegende Nebenwirkung dieser Therapie ist die Medikamenten-assoziierte Kiefernekrose (MRONJ). Die ihr zugrunde liegende Pathophysiologie ist bis heute nicht abschließend geklärt. Dabei haben Bisphosphonate eine hemmende Wirkung auf proangiogenetische Faktoren wie dem Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) oder Endotheliale Progenitorzellen (EPC). Dies führt zu einer verringerten Angiogenese, was die Ausbildung von Nekrosen nach sich ziehen kann. Die Osteoradionekrose (ORN) des Kiefers ist eine späte Komplikation der Strahlentherapie bei Kopf-Hals-Tumoren. Sie wird beschrieben als Resultat einer strahlungsinduzierten Fibrose, welche zu einer Schädigung von Endothelzellen führt. Daraus resultiert die Minderperfusion des betroffenen Areals und in Folge dessen die Entstehung einer Nekrose. In dieser Studie soll überprüft werden, wie sich die Vaskularisation und die Angiogenese der Schleimhaut in betroffenen Arealen bei Patienten mit ORN und MRONJ gegenüber gesunder Schleimhaut verhält.

Material & Methoden Es wurden die Daten von 75 Patienten erfasst, welche entsprechend ihrer Grunderkrankung in 4 Gruppen eingeteilt wurden: eine Kontrollgruppe mit intakter Schleimhaut, eine Kontrollgruppe mit anderweitiger OP-Indikation (z.B. Metallentfernung), eine Gruppe mit MRONJ-Patienten unter Bisphosphonat- Medikation und eine Gruppe mit ORN-Patienten. Die Untersuchungen wurden durchgeführt mit dem O2C-Gerät der Firma LEA. Dieses kann mittels Laserlicht- und Weißlichtspektrometrie die Sauerstoffsättigung (SO2), die Hämoglobinmenge (Hb), den relativen Blutfluss (Flow) und die Blutflussgeschwindigkeit (Velocity) bestimmen, welche Aufschluss über die Perfusion der entsprechenden gemessenen Areale geben. Die Messungen fanden an 4 Messstellen statt, jeweils vestibulär, oral, distal und mesial der entsprechenden Läsion. Außerdem wurde neben der betroffenen Seite auch immer die gegenüberliegende, gesunde Seite gemessen. Gemessen wurde präoperativ und je 1,3 und 5 Tage postoperativ.

Ergebnisse Bei den MRONJ-Patienten waren präoperativ sowie am ersten postoperativen Messtag die Parameter Hb, Flow und Velocity der betroffenen Seite gegenüber der gesunden Seite signifikant erhöht. Gegenüber den Kontrollgruppen zeigte sich kein Unterschied. Im weiteren postoperativen Verlauf ergaben sich keine signifikant veränderten Werte. Die ORN-Patienten zeigten präoperativ signifikant erhöhte Hb-, Flow- und Velocity Werte auf der erkrankten gegenüber der gesunden Seite. Im perioperativen Verlauf zeigte sich ein signifikanter Abfall der SO2-Sättigung auf der betroffenen Seite. Im Vergleich der ORN- und der MRONJ-Patienten ergab sich kein Unterschied hinsichtlich der Perfusion.

Schlussfolgerungen Die gesteigerte Perfusion im Bereich der MRONJ- und ORN-Läsionen lässt sich möglicherweise zurückführen auf ein entzündliches Geschehen im Bereich des Weichgewebes, wobei beiden Krankheitsbildern unterschiedliche Pathomechanismen zugrunde liegen. In Bezug auf die Angiogenese lassen sich aufgrund der verkürzten Messdauer von 5 Tagen postoperativ lediglich Tendenzen erkennen. Ein hemmender Einfluss von Bisphosphonaten auf die beginnende Angiogenese konnte im Rahmen dieser Studie nicht beobachtet werden. Für die Osteoradionekrose zeigte sich dagegen ansatzweise, dass die Angiogenese gehemmt oder verlangsamt anläuft.

DOI
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