Orthopädische Aspekte des Post-Polio-Syndroms

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2015-01-09
Issue Year
2014
Authors
Balzien, Benjamin
Editor
Abstract

Hintergrund und Ziele: Das Postpoliosyndrom (PPS) wird häufig nach einer Poliomyelitis in der Kindheit mit anschließend längerer stabiler Phase beobachtet. Zu den charakteristischen Symptomen zählen eine ungewohnte Erschöpfung und Müdigkeit, neu aufgetretene Schmerzen in der Muskulatur sowie in den Gelenken, neue Paresen und Muskelatrophien, Muskelkrämpfe sowie Kälteintoleranz. Diese Arbeit soll die orthopädischen Aspekte dieser Erkrankung näher beleuchten. Die Ergebnisse sollen helfen, das Wissen über diese Erkrankung zu erweitern und Therapieziele festzulegen. Methode: Zur Erfassung von Daten über Patienten mit bereits diagnostiziertem PPS wurde ein spezieller Fragebogen entwickelt. Dieser besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil werden allgemeine Daten des Patienten erhoben. Im zweiten Teil werden Daten zu Gesundheitszustand, Schmerzen und Alltagssituationen jeweils zum Zeitpunkt der stabilen Phase nach der Akuterkrankung und zur Phase nach der PPS-Diagnose erhoben. Es wurden Fragebögen von 124 Patienten mit diagostiziertem PPS ausgewertet (männlich: 45, weiblich: 79). Aus einem Teil der erhobenen Daten wurde ein Score erstellt. Anschließend wurde der Zusammenhang zwischen dem Scoreergebnis und der Phase der Polioerkrankung (stabile Phase vs. PPS) untersucht. Ergebnisse und Beobachtungen: Die dargestellten Ergebnisse zeigen, dass der Zeitpunkt (stabile Phase vs. PPS-Phase) einen signifikant positiven Einfluss auf den Score hat. Der Score ist in der stabilen Phase im Schnitt 18.6 Einheiten niedriger als in der Phase nach der PPS-Diagnose (p < 0.001). Den Patienten geht es folglich in der stabilen Phase signifikant besser als in der PPS-Phase. Der Confounder Funktionsverlust in der oberen Extremität hat ebenfalls einen signifikant (p < 0.004) positiven Einfluss auf den Score. Praktische Schlussfolgerungen: Den Patienten geht es zum Umfragezeitpunkt nach PPS-Entwicklung signifikant schlechter als in der stabilen Phase. Das betrifft sowohl den allgemeinen Gesundheitszustand als auch den Schmerzstatus und die Verrichtung alltäglicher Tätigkeiten. Dabei hat das Alter keinen signifikanten Einfluss. Viele der betroffenen Patienten sind stark eingeschränkt, besonders was Aktivitäten wie Laufen, Treppen steigen und einfache Haushaltstätigkeiten betrifft. Daher sollte jeder Patient individuell betreut werden mit dem Ziel, die Funktionsfähigkeit im Alltag wiederherzustellen oder mindestens zu erhalten, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Citation
Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie
DOI
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