Veränderungen der Medikation durch Hausärzte bei älteren und hochbetagten Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2010-06-15
Issue Year
2010
Authors
Onay, Esra
Editor
Abstract

Background and objective As a result of hospitalization nearly every patient is affected by a change of the drug regimen. This is mainly because the hospital changes the source of the medication to in-house drugs for the duration of the in-patient treatment, during that time the medication is adjusted to the current condition on the one hand and to the guidelines on the other. After the patient is discharged from the hospital this “new plan of medication” is subject review by the general practitioner (GP). The GP’s review takes particular account of the cost pressure, as well as the patient’s age, gender, non-compliance and the expected side effects. Since there is almost no existing data on this topic, this study therefore sets out to describe this discrepancy both quantitatively and as well as in relation to old patients. Clinical conclusions The results suggest that the discrepancy is significant between the original medical prescription and the newly created drug regimen after hospital discharge. The domestic medication is indeed the basis of the prescribed drugs by the hospital, but in the transition hardly any economic facts, not to speak of aspects which affect the GP, like costs, non-compliance and side effects, come into consideration. With the discharge of the patient the GP is left with the decision which medication to repeat, to adjust or even to suspend. On the one hand this leads to misunderstandings between the hospital and the GP and on the other hand to incomprehension by the patient, due to changes to the original medical prescription. In this case older patients are primarily affected, since they have to take large amounts of medication and because of the lack of understanding of medication in old-age, the consequential non-compliance, as well as drug interaction and side effects. The fact, that in old age more drugs that were prescribed by the hospital are amended by the GPs, could not be proven in this study. It stays unclear, if this can be led back to the separate drug setting of a special center (geriatrics) or the multi-morbidity and its link to the sometimes complicated poly-medication of patients. Whereas it plays an equally important role that patients and relatives insist on getting exactly the same drug that was prescribed in the hospital. In conclusion it can be said that it is important in the context of rising health care costs, the aging population and the associated multi-morbidity and the increasing complexity of the drug plans of our patients, that hospital doctors and GPs work more closely together to ensure the best possible treatment. Concerning the preparation of the drug therapy on the part of the hospital doctors it would be important that they keep most of the home medication and explain changes to the GP in the discharge report, because only about 10 to 15% of family physicians feel adequately informed about changes of the medication by the clinic. Also the generics should be indicated in the treatment proposals in order to facilitate the family doctor’s task and decision – making for implementation, since, as explained above, they are under substantial cost-pressure. It would be possible to explain to the patient and/or to the members of the family the reversed medication prescribed during the stay in the hospital, e.g. why the medication was changed and why other drugs, which differ mostly only in the company’s name, were used, than in the outpatient sector. The GPs should continue to check their patient’s discharge medication critically despite the time and cost pressure and they should also examine the medicines for the side effects, because 10% of the family doctors reported newly occurring adverse effects with generic drugs, according to other studies. The actual drug taking by the patient should be examined and monitored by the family doctor, as accurately as possible. In the context of polymedication and the changing metabolism of elderly patients resulting in more side effects and interactions of drugs, this can lead and leads to re-hospitalization and thus further burdens the health care system. The non-compliance, which is an important issue especially with older patients, can be controlled by the GPs with the help of the relatives. If possible, it is of advantage particularly to elderly patients to explain the instructions (dose, quan-tity and time of day) repeatedly when medication has been revered, despite pressure of time.

Abstract

Hintergrund und Zielsetzung Durch einen Krankenhausaufenthalt ist nahezu jeder Patient von einer Änderung des Medikamentenregimes betroffen. Das liegt in erster Linie daran, dass im Krankenhaus Medikamente auf hauseigene Arzneimittel umgestellt werden und während der stationären Therapie die Medikation einerseits der aktuellen Erkrankung und andererseits den Leitlinien angepasst wird. Nach der Entlassung des Patienten aus dem Krankenhaus ist dieser „neue Medikamentenplan“ einigen Entscheidungskriterien des Hausarztes unterworfen. Diese sind vor allem der Kostendruck, das Alter des Patienten, das Geschlecht, die Non-Compliance und zu erwartende Nebenwirkungen. Da zu diesem Thema kaum Daten existieren, ist es die Aufgabe dieser Studie diese Diskrepanz sowohl quantitativ und als auch im Bezug auf hochbetagte Patienten darzustellen. Klinische Schlussfolgerungen Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die Diskrepanz zwischen dem ursprünglichen Medikamentenplan des Patienten und dem nach der Krankenhausentlassung neu erstellten Medikamentenregime beträchtlich ist. Die häusliche Medikation ist zwar die Basis der im Krankenhaus verschriebenen Arzneimittel, jedoch kommen bei der Umstellung kaum wirtschaftliche, geschweige denn Aspekte, die den Hausarzt bewegen, wie Kosten, Non-Compliance und Nebenwirkungen, in Betracht. Bei Entlassung des Patienten ist der Hausarzt vor die Entscheidung gestellt, welches Medikament er übernimmt, verändert oder gar absetzt. Dies führt einerseits zu Missverständnissen zwischen der Klinik und dem Hausarzt und andererseits durch nicht allzu wenige Veränderungen der eigentlichen Medikation zu Unverständnis beim Patienten. Hier sind vor allem alte Patienten, die häufig eine große Anzahl an Medikamenten einnehmen, betroffen - in erster Linie wegen des mangelnden Verständnisses für die Medikation im hohen Alter und der daraus resultierenden Non-Compliance, sowie wegen der Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Nebenwirkungen. Dass im hohen Alter mehr Medikamente, die in der Klinik verschrieben wurden, von den Hausärzten geändert werden,wie bei Taxis at al beschrieben, konnte in dieser Studie nicht belegt werden. Hier bleibt offen, ob das an der gesonderten Medikamenteneinstellung durch ein spezielles Zentrum (Geriatrie) oder an der Multimorbidität und damit zusammenhängend an der teilweise komplizierten Polymedikation der Patienten liegt. Wobei das Beharren der Patienten oder der Angehörigen, genau das Medikament verschrieben zu bekommen, das im Krankenhaus angesetzt wurde, eine ebenso wichtige Rolle spielt. Schlussfolgernd kann gesagt werden, dass es im Rahmen der steigenden Kosten im Gesundheitswesen und der älter werdenden Bevölkerung und der damit verbundenen Multimorbidität und immer komplizierter werdenden Medikamentenpläne unserer Patienten wichtig ist, dass Krankenhausärzte und Hausärzte enger zusammenarbeiten, um die bestmögliche Therapie zu gewährleisten. Von Seiten der Krankenhausärzte wäre es wichtig, beim Ansetzen der medikamentösen Therapie sich möglichst an die häusliche Medikation zu halten und Veränderungen dem Hausarzt im Entlassungsbericht zu erläutern, denn nur etwa 10 bis 15% der Hausärzte fühlen sich ausreichend informiert über Änderungen der Medikation in der Klinik. Zudem sollten bei den Therapievorschlägen auch die Generika angeben werden, um dem Hausarzt die Aufgabe und die Entscheidung des Umsetzens zu erleichtern, da er, wie oben dargestellt, unter wesentlichem Kostendruck steht. Es könnte schon im Rahmen des stationären Aufenthaltes dem Patienten und/oder den Angehörigen die umgestellte Medikation erklärt werden, z.B. warum die Medikation verändert wurde, und dass im Krankenhaus gegebenenfalls andere Medikamente zum Einsatz kommen als im ambulanten Sektor, die sich meistens nur im Firmennamen unterscheiden. Hausärzte sollten weiterhin trotz Zeit- und Kostendrucks die Entlassungsmedikation ihrer Patienten kritisch überprüfen und die Arzneimittel auf Nebenwirkungen prüfen, denn laut anderer Studien berichten 10% der Hausärzte von neu aufgetretenen unerwünschten Wirkungen bei Generika. Auch die tatsächliche Einnahme durch die Patienten sollte, so gut wie möglich, von den Hausärzten geprüft und beobachtet werden. Im Rahmen der Polymedikation und der veränderten Stoffwechsellage bei älteren Patienten kommt es häufiger zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Arzneimitteln, die zur erneuten Hospitalisation und damit weiteren Belastung des Gesundheitswesens führen können und führen. Die Non-Compliance, die besonders bei alten Patienten ein wichtiges Problem darstellt, kann durch die Hausärzte mit Hilfe der Angehörigen kontrolliert werden. Es ist von Vorteil vor allem bei betagten Patienten, sofern möglich, bei veränderter Medikation die Einnahmeregeln (Dosis, Anzahl und Tageszeit) trotz Zeitdruck immer wieder zu erläutern.

DOI
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