Eine Beobachtungsstudie über die Lerneffekte von Peer Assisted Learning in Zeiten von Covid-19

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2022-11-14
Issue Year
2022
Authors
Holfert, Jonathan
Editor
Abstract

Objectives Teaching at universities has been severely restricted since the corona pandemic, which also had a major impact on the study of dentistry. On the one hand, practical training is a very important part of the course, which carries a high risk of infection due to treatment courses. On the other hand, theoretical training in the form of lectures in attendance is also associated with a potential infection. In addition to conventional exams, such as MC exams, it is also important to look for new alternatives that are both effective and applicable during the pandemic and beyond. Peer Assisted Learning (PAL) could be such a teaching method and was examined in this study. PAL means students learn from students, but there are numerous sub-forms. One of them is peer assessment, in which students rate their fellow students and give feedback if necessary. The idea behind it is that an environment is created in which the learners and teachers are on an equal footing, thereby enabling better communication. It is hoped that this will result in better learning results, more effective work and also a relief for the teaching staff. Other benefits include improving self-reflection, being able to do PAL online, and engaging more deeply with the learning topics. This study aims at whether PAL is a better learning and assessment method and what are the subjective impressions of the students. Design and methods In this study an examination was carried out in the summer semester of 2020 in the Department of Oral and Maxillofacial Surgery, in which 267 students from the sixth to tenth semesters took part. Fictitious patient cases were used for this, for which the students had to answer between five and eight questions. The difficulty of each task was adjusted to the respective semester. After that, each student rated two randomly determined fellow students and was also rated by two fellow students. They had the opportunity to distribute between one and five stars and also to write a feedback. Then they had to take part in a survey with two questions and five statements, in which the students could choose between Better, Same and Worse or I agree, Neutral and I disagree. In addition, a comment could be written. The comments were then analyzed based on the main statements according to frequency.

Observations and results Overall, the learning effect was perceived as better by 77.9% of the students and 74.9 dealt more intensively with the learning content. Most students also indicated that PAL improved their clinical reasoning and feedback skills. The lack of anonymity was criticized by 66.3% of the students. The comments confirmed a high acceptance and improvement of soft skills. Furthermore, a fictitious patient was felt to be practical. Conclusions The reasons for a possible better learning success are the longer engagement time with the learning topics, the evaluation process itself and the individual feedback that each student receives. Furthermore, the promotion of clinical thinking, an important part of medical work, was made possible in this study by the test design and the fictitious patient. By receiving and giving feedback, professional information was exchanged and a clinical situation was simulated based on the fictitious patient. The criticism of the lack of anonymity must be taken seriously and a solution is needed. Reasons for the visible names are to stimulate conversations about the learning topics, to become aware of the responsibility of one's own statements and to prevent harsh evaluations. These reasons could be explained to the students for a better understanding in order to gain even more encouragement. Overall, one can still determine a high degree of subjective acceptance among the students. However, it requires an objective and quantitative measurement of the actual higher learning success, e.g. B. Compared to multiple-choice exams. This could be followed by analyzing the teachers opinion on PAL, which could provide interesting information.

Abstract

Hintergrund und Ziele Der Lehrbetrieb an Universitäten ist seit der Corona-Pandemie stark eingeschränkt, wovon unter anderem das Studium der Zahnmedizin sehr betroffen ist. Einerseits ist die praktische Ausbildung ein sehr wichtiger Bestandteil des Studiums, birgt jedoch durch Behandlungskurse ein hohes Infektionsrisiko. Andererseits geht auch die theoretische Ausbildung in Form von Vorlesungen in Präsenz geht mit einer potentiellen Infektion einher. Darüber hinaus gilt es neben den konventionellen Prüfungen wie MC-Klausuren neue Alternativen zu suchen, die zugleich effektiv und während der Pandemie und darüber hinaus anwendbar sind. Peer Assisted Learning (PAL) könnte so eine Lehrmethode sein und wurde in dieser Studie untersucht. PAL bedeutet einfach gesagt, dass Studierende von Studierenden lernen, wobei es jedoch zahlreiche Subformen gibt. Eine davon ist Peer Assessment, bei der Studierende ihre Kommilitonen bewerten und gegebenenfalls ein Feedback geben. Die Idee dahinter ist, dass somit ein Umfeld geschaffen wird, in der die lernenden und lehrenden Personen gleichgestellt sind und dadurch eine bessere Kommunikation möglich ist. Daraus erhofft man sich bessere Lernergebnisse, ein effektiveres Arbeiten und auch eine Entlastung des Lehrpersonals. Weitere Vorteile sind das Verbessern der Selbstreflexion, die Möglichkeit, PAL online durchführen zu können und ein intensiveres Beschäftigen mit den Lernthemen. Diese Studie zielt darauf ab, ob PAL eine bessere Lern- und Prüfungsmethode ist und wie die subjektiven Eindrücke der Studierenden sind. Material und Methoden In der dieser Arbeit zugrundeliegenden Studie wurde im Sommersemester 2020 in der Abteilung für Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie eine Prüfung durchgeführt, an der 267 Studierende aus dem sechsten bis zehnten Semester teilnahmen. Es wurden dafür fiktive Patientenfälle genutzt, zu denen die Studierenden zwischen fünf und acht Fragen, deren Schwierigkeit an das jeweilige Semester angepasst wurde, beantworten mussten. Danach bewertete jeder Studierende zwei durch Zufall bestimmte Kommilitonen und wurde ebenfalls von zwei Kommilitonen bewertet. Dabei hatten sie die Möglichkeit, zwischen einem und fünf Sternen zu verteilen und zusätzlich ein Feedback zu schreiben. Anschließend musste an einer Umfrage mit zwei Fragen bzw. fünf Aussagen teilgenommen werden, bei der die Studierenden zwischen „Besser“, „Gleich“ und „Schlechter“ bzw. „Ich stimme zu“, „Neutral“ und „Ich stimme nicht zu“ wählen konnten. Zusätzlich konnte ein Kommentar verfasst werden. Die Kommentare wurden anschließend anhand der Hauptaussagen nach Häufigkeit analysiert. Ergebnisse und Beobachtungen Insgesamt wurde der Lerneffekt von 77,9% der Studierenden als besser empfunden und 74,9% beschäftigten sich intensiver mit den Lerninhalten. Die meisten Studierenden gaben ebenso an, dass sie durch PAL ihr klinisches Denken und Feedbackfähigkeiten verbessern konnten. Die fehlende Anonymität wurde von 66,3% der Studierenden kritisiert. Die Kommentare bestätigten eine hohe Akzeptanz und das Verbessern von Soft Skills. Weiterhin wurde ein fiktiver Patient als praktisch empfunden. Schlussfolgerungen und Diskussion Die Gründe für einen möglichen besseren Lernerfolg sind die längere Beschäftigungszeit mit den Lernthemen, der Bewertungsprozess an sich und das individuelle Feedback, was jeder Studierende erhält. Weiterhin ist das Fördern des klinischen Denkens, ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Tätigkeit, in dieser Studie durch das Prüfungsdesign und den fiktiven Patienten ermöglicht worden. Durch das Erhalten und Geben von Feedbacks kam es zu einem Austausch von fachlichen Informationen und aufgrund des fiktiven Patienten wurde eine klinische Situation simuliert. Die Kritik an der fehlenden Anonymität muss ernst genommen werden und es benötigt eine Lösung. Gründe für die einsehbaren Namen sind das Anregen von Gesprächen über die Lernthemen, das Bewusstwerden über die Verantwortung der eigenen Aussagen und ein Verhindern von zu harschem Bewerten. Diese Gründe könnten für ein besseres Verständnis den Studierenden erläutert werden, um so einen noch höheren Zuspruch zu erlangen. Insgesamt kann man dennoch eine hohe subjektive Akzeptanz bei den Studierenden feststellen. Es benötigt aber eine objektive und quantitative Messung über den tatsächlichen höheren Lernerfolg, z. B. im Vergleich zu Multiple-Choice-Prüfungen. Außerdem wäre eine Analyse, wie das Lehrpersonal PAL empfindet, interessant.

DOI
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