Orale Antikoagulation und Reisen - Reisegewohnheiten und reiseassoziierte Komplikationsraten oral antikoagulierter Patienten

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2014-07-07
Issue Year
2014
Authors
Niemeyer, Nicole
Editor
Abstract

2.1 Background and Objective Travel-related conditions may increase the risk of haemorrhage or thromboembolic complications of patients on oral anticoagulation therapy (OAT) with vitamin K-antagonists (VKA). The objective is to get data about patient’s travel habits, and travel-associated complications. 2.2 Methods Standardized questionnaire was sent to adults in Austria, Switzerland and Germany on permanent OAT for at least two years. Exclusion criteria were temporary OAT, an OAT of less than 2 years as well as mental and physical illnesses, which prevent any travel activity. 2.3 Results and Limitations We enrolled 997 patients (63.6% male, aged 62.0+12.9) on OAT due to mechanical heart valve prosthesis (33.9%), atrial fibrillation (33.6%) and thrombophilia (28.4%). 77.5% performed patient self-management (PSM). 43.4% changed travel habits since onset of OAT with 24.9% reporting decreased and 18.5% reporting increased travel activities. Patients who travelled worldwide or to countries far away before the OAT and those with former thromboembolic complications revealed fewer travel activities. More intensive travel experience, OAT>10 years, higher education (university degree), or performing PSM increased travel activity. Patients travelling under OAT reported haemorrhages or thromboembolic complications in 6.5 and 0.8%, respectively. Former thromboembolic complications (OR 2.77; 95%-CI 1.39-5.54, p = 0.004), former bleedings (OR 3.52; 95%-CI 2.02-6.11, p < 0.001) and PSM (OR 3.60; 95%-CI 1.26-10.28, p = 0.017) were significant predictors of complications while travelling. The results are limited by the high rate of patients with PSM among the cohort, missing validation of answers by physician and answering of questionnaire primarily by patients being interested in travelling may have biased results. 4 2.4 Conclusions OAT or related diseases not only decreased but also increased travel intensity. The rather low complication rate indicates that travel seems to be safe for patients under OAT. Specific medical advice prior travelling to prevent complications should be given especially to patients with former bleedings or thromboembolic complications but also to patients with PSM.

Abstract

1.1 Hintergrund und Ziel: Die veränderten Bedingungen während einer Reise können die Gefahr einer Blutung oder einer thromboembolischen Komplikation bei Patienten unter einer oralen Antikoagulationstherapie (OAT) mit Vitamin-K-Antagonisten (VKA) vergrößern. Das Ziel der Studie lag darin, Daten über die Reisegewohnheiten der Patienten und reiseassoziierte Komplikationen zu erheben. 1.2 Methoden (Patienten, Material und Untersuchungsmethoden) Mit einem standardisierten Fragebogen wurden Erwachsene in Österreich, der Schweiz und Deutschland befragt, die dauerhaft und seit mindestens zwei Jahren mit VKA therapiert werden. Als Ausschlusskriterien wurden eine passagere OAT mit VKA, eine bisherige Einnahmezeit von unter 2 Jahren sowie geistige und körperliche Erkrankungen, die eine Reise verhindern, definiert. 1.3 Ergebnisse und Einschränkungen: Es wurden insgesamt 997 Patienten (davon 63,6% männlich) im Alter von 62,0+12,9 Jahre befragt. Diese wurden mit VKA aufgrund einer mechanischen Herzklappenprothese (33,9%), Vorhofflimmern (33,6%) und einer Thrombophilie (28,4%) behandelt. Von den Befragten führten 77,5% ein Patientenselbstmanagement (PSM) durch. Seit der Einnahme von VKA veränderten 43,4% ihre Reisegewohnheiten (24,9% verringerten und 18,5% erhöhten ihre Reiseaktivitäten). Die Patienten, die schon früher weltweite Reisen bzw. in weit abgelegene und entfernte Länder reisten, schränkten ihre Reisetätigkeiten seit der Einnahme von VKA ein. Ebenso war dies der Fall bei zurückliegenden thromboembolischen Komplikationen. Patienten mit großer Reiseerfahrung, VKA-Therapie seit mehr als 10 Jahren, Hochschulbildung bzw. Patienten, die ein PSM durchführten, waren nach Beginn der OAT sogar signifikant reiseaktiver. Von allen Befragten, die unter Einnahme von VKA reisten, berichteten 6,5% von Blutungs- und 0,8% von thromboembolischen Komplikationen. Vorangegangene thromboembolische Komplikationen (OR 2,77; 95 %-KI 1,39-5,54, p = 0,004), frühere Blutungen (OR 3,52; 95 %-KI 2,02-6,11, p < 0.001) und Patienten mit 2 einem PSM (OR 3,60; 95 %-KI 1,26-10,28, p = 0,017) waren signifikante Risikofaktoren für eine Komplikation während der Reise. Die Ergebnisse können jedoch durch die hohe Rate von Patienten mit PSM, eine fehlenden Verifizierung der gegebenen Antworten durch einen Arzt und die Beantwortung des Fragebogens in erster Linie durch Patienten, die sich für das Reisen interessieren, beeinflusst worden sein. 1.4 Schlussfolgerungen Die Einnahme von VKA bzw. die damit verbundenen Grunderkrankungen schränken die Reisetätigkeiten nicht nur ein, teilweise nahm die Reiseintensität auch zu. Die niedrige Komplikationsrate macht deutlich, dass auch für Patienten unter Therapie mit VKA das Reisen sicher zu sein scheint. Eine ärztliche Beratung vor einer Reise sollte nicht nur für Patienten mit früheren Blutungen oder thromboembolischen Komplikationen sondern auch für Patienten mit einem PSM erfolgen.

DOI
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