Veränderungen ossärer Eigenschaften in der Frühphase der rheumatoiden Arthritis - Zusammenhang zwischen Autoimmunität und Diagnosestellung

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Granting Institution
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), Medizinische Fakultät
Issue Date
2024
Authors
Bui, Cong Duy
Editor
Abstract

Hintergrund und Ziele Die rheumatoide Arthritis (RA) wird als eine autoimmunvermittelte, chronisch-entzündliche Multisystemerkrankung verstanden, die vordergründig periphere und große Gelenke der appendikulären Skeletts befällt, aber auch durch extraartikuläre Manifestationen und Komorbiditäten ein hohes Maß an Leidensdruck und sozioökonomischen Folgen zu verursachen vermag. Der eigentlichen Erkrankung geht eine mitunter langjährige präklinische Phase der Autoimmunität voraus, in der unspezifische Gelenkbeschwerden das potenzielle Ausmaß der Erkrankung nicht suffizient abbilden und eine frühe Diagnose hierdurch erschweren. Bisherige Arbeiten konnten mittels dezidierter Bildgebung den für die Erkrankung typischen knöchernen Substanzverlust sowie Gelenkdestruktionen nachweisen, die nicht im Kontext einer langjährigen Krankheit entstehen, sondern bereits vor Diagnosestellung voranschreitet. Als mögliche Akteure kommen insbesondere die bis dahin sukzessiv ansteigenden Autoantikörpertiter infrage, da diese durch Einfluss auf die Osteoklastenaktivität zunehmende Veränderungen im Knochenstoffwechsel ausüben und den progressiven Substanzverlust und somit möglicherweise den Progress zur Erkrankung einläuten. Um dies näher zu beleuchten, wurde ein repräsentatives Probandenkollektiv in Bezug zu ihrem rheumaspezifischen Seroprofil auf ossäre Veränderungen untersucht.

Methoden Zur Untersuchung der autoimmunassoziierten Veränderungen exponierter Gelenkstrukturen wurden im Rahmen dieser Arbeit 62 Probanden als Teil einer prospektiv angelegten Patientenkohorte IRACE (Individuals At Risk For Arthritis Cohort Erlangen) der Medizinischen Klinik 3 für Rheumatologie und Immunologie des Universitätsklinikums Erlangen nach ihrem individuellen Risikoprofil gestaffelt aufgeteilt und hinsichtlich ihrer knöchernen Veränderungen mittels hochaufgelöster peripherer quantitativer Computertomographie (HR-pQCT) verglichen. Im weiteren Verlauf wurden die Probanden über einen Beobachtungszeitraum von einem Jahr auf eine etwaige Krankheitsprogression untersucht.

Ergebnisse Anhand der vorliegenden Datenlage konnte gezeigt werden, dass erhebliche Unterschiede in der Subgruppenanalyse mit stärkerem Knochensubstanzverlust und erhöhter Anzahl kortikaler Brüche bei zunehmender Antikörperspektrum bestehen. Trotz vermehrter kortikaler Brüche bestanden jedoch keine qualitativen Unterschiede zwischen Probanden mit und ohne Progress zur Erkrankung.

Diskussion Der autoimmunvermittelte Knochensubstanzverlust lässt sich mit bisherigen Erkenntnissen, dass Autoantikörper über Osteoklastogenese den Knochenumsatz steigern, vereinbaren und zeigt, dass dieser auch maßgeblich mit der Diversität des rheumaspezifischen Antikörperseroprofils assoziiert ist und bereits in der präklinischen Erkrankungsphase der RA voranschreitet. Obwohl bei den Individuen, die im Beobachtungszeitraum den Progress zur Erkrankung entwickelten, keine signifikanten Unterschiede in der Knochenqualität nachgewiesen werden konnten, ist davon auszugehen, dass der negativ bilanzierte Knochenumsatz an den peripheren Gelenken eine dennoch maßgebliche Rolle sowohl an der Entstehung und Aufrechterhaltung der Erkrankung einnimmt. Möglicherweise kann durch Einwanderung von Osteoklasten und anderen proinflammatorisch agierenden Zellen aus der Knochenmatrix in den Gelenkbinnenraum das Übergreifen auf die gelenkassoziierten Weichteilstrukturen und den drohenden Progress zur Erkrankung erklären (Inside-Out-Hypothese). Um diese Theorie zu validieren und Hochrisikopatienten sicher zu identifizieren bedarf es jedoch weiterer Untersuchungen, v.a. um nachzuweisen, ob sich das Ausmaß subklinischer Tenosynovitis als bislang ungünstigster Prognosemarker ebenfalls im Kontext des Seroprofils widerspiegelt. Zudem sind für das tiefere Verständnis der Ätiologie Untersuchungen auf zellulärer und molekularer Ebene von elementarer Wichtigkeit, um hieraus therapeutische und möglicherweise auch präventive Konsequenzen abzuleiten.

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