Vergleich der Inzidenz der mechanischen Komplikationen bei Versorgung einer pertrochantären Femurfraktur bei Erwachsenen mittels PFNA und TFNA

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2022-11-14
Issue Year
2022
Authors
Melmuka, Martin
Editor
Abstract

Zusammenfassung Hintergrund und Ziele Die Zunahme der Frakturinzidenz, insbesondere durch die alternde Bevölkerung, stellt eine Herausforderung für die Akteure im Gesundheitswesen dar. In Unfallchirurgie und Orthopädie erkennt man eine deutliche Zunahme der Zahl der osteoporotischen Frakturen. Insgesamt wurden im Jahr 2019 688 403 Frakturen in Deutschland registriert. Im Vergleich zu 2009 stieg die Inzidenz um 14 % an. Die zweitgrößte Häufigkeit fand sich bei pertrochantären Femurfrakturen (108,7/100 000 Einwohner). Als sogenannter Goldstandard in der Versorgung der pertrochantären Frakturen gelten die proximalen Femurnägel in all in ihren Variationen. Die Entwicklung der verschiedenen Osteosyntheseprodukte haben alle ein Ziel, die möglichst atraumatische und belastungsstabile Frakturversorgung mit möglichst geringer Komplikationsrate. Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, ob es einen signifikanten Unterschied zwischen der Rate mechanischer Komplikationen (z.B. Cut-Out, Frakturredislokation, Varuskollaps etc. ) zwischen 2 intramedullären Nagelsystemen mit ähnlichem Design, jedoch unterschiedlichen Implantatmaterialien gibt.

Methoden Im Rahmen einer retrospektiven Studie wurden im Zeitraum vom 05.04.2018 bis zum 30.05.2021 in eigener Klinik retrospektiv zweihundert Patienten untersucht, die eine pertrochantäre Femurfraktur erlitten und mittels cephalomedullärer Nagelung versorgt wurden. Einhundert Osteosynthesen erfolgten mit dem Standard PFNA-Nagel (CCD- Winkel 130°, Länge 240 mm, ∅ 10 mm, Implantatstahl) und einhundert mittels Standard TFNA-Nagel (CCD-Winkel 130°, Länge 235 mm, ∅ 10 mm, Titan- Molybdän-Legierung). Die Daten wurden aus den Patientenakten, Krankenhausdokumentation sowie aus den Entlassberichten der Rehakliniken erhoben. Es wurden die perioperativen und postoperativen Komplikationen dokumentiert und ausgewertet. Zur Datenerfassung sowie Tabellen- und Graphenerstellung wurde das Program Numbers verwendet. Zur statistischen Analyse wurde das IBM Statistikprogramm SPSS Version 20.0 (Amok, NY, USA) und der Wilcoxon-Test auf einem Signifikanzniveau von 5% verwendet.

Ergebnisse und Beobachtungen In beiden untersuchten Gruppen waren je vier Cut-Outs, sowie je eine sekundäre Frakturdislokation zu verzeichnen. Bei allen Patienten mit mechanischer Komplikation war keine Trauma für die Komplikation zu eruieren. Es gibt keinen statistisch signifikanten Unterschied der Rate der mechanischen Komplikationen zwischen den von uns untersuchten intramedullären Nägeln (PFNA und TFNA).

Schlussfolgerungen und Diskussion Die Limitation dieser Studie besteht in der retrospektiven Erhebung der Daten aus dem Krankenhausdokumentationssystem der eigenen Klinik und den Entlassberichten der Rehakliniken. Somit kann ein Bias bei der Datenerhebung auftreten; zum einen konnten operierte Patienten, die nicht aus dem Einzugsgebiet der eigenen Klinik stammen, heimatnah weiterbehandelt werden, mögliche Komplikationen, die auftraten der Auswertung entgangen sein. Zum anderen verstarben 21 Patienten, bei denen somit mögliche mechanische Komplikationen übersehen werden konnten. Die Ergebnisse sind jedoch trotz des Bias ausreichend aussagekräftig, um zu dem Schluss zu kommen, dass beide Nagelsysteme identische bzw. vergleichbare mechanische Komplikationsraten aufweisen. Der PFNA aus Implantatstahl ist im Vergleich zu dem TFNA-Implantat (aus einer Titan-Molybdänlegierung) ca. 25% kostengünstiger. Unter dem steigenden Kostendruck im Gesundheitssystem liefern diese Erkenntnisse wichtige Informationen in Hinblick auf eine gute, jedoch kostengünstige Versorgung der pertrochantären Femurfraktur. Dies sollte bei weiteren Studien und Entwicklungen mit berücksichtig werden.

DOI
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