Die differentiellen Auswirkungen produktiver und rezeptiver Kunstintervention auf die funktionellen Konnektivitäten des Default Mode Networks bei kognitiv unbeeinträchtigten Rentnern im Vergleich zu Personen der gleichen Altersgruppe mit subjektiv kognitiver Beeinträchtigung. Eine funktionelle MRT-Studie.

Language
de
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2017-08-08
Issue Year
2017
Authors
Schwarzmann, Katharina
Editor
Abstract

Hintergründe und Ziele Das Default Mode Network (DMN) ist gekennzeichnet durch eine Aktivitätszunahme während geistiger Ruhebedingungen. Bei einer Vielzahl von Erkrankungen, aber auch während des physiologischen Alterungsprozesses kommt es zu veränderten funktionellen Konnektivitäten dieses Netzwerks. In einer vorherigen Studie konnte gezeigt werden, dass es bei gesunden älteren Ruheständlern durch produktive Kunstintervention zu vermehrten funktionellen Konnektivitäten des DMN kommt. Gegenstand der vorliegenden Studie war die Untersuchung der Wirksamkeit produktiver und rezeptiver Kunstintervention bei kognitiv unauffälligen Ruheständlern im Vergleich zu subjektiv kognitiv beeinträchtigten Ruheständlern auf die funktionellen Konnektivitäten des DMN.

Methoden Die vorliegende Arbeit ist eine randomisierte, kontrollierte Interventionsstudie. Vor den Interventionen wurden funktionelle magnetresonanztomographische Aufnahmen der Gehirne aller beteiligten Probanden angefertigt (Zeitpunkt: T0). Die Daten wurden mit dem Programm Brain Voyager QX Version 2.8 ausgewertet. Mittels Seed-Voxel-Korrelationsanalyse wurde das funktionelle Ruhenetzwerk (engl.: DMN) zunächst auf individueller und anschließend auf Gruppenebene dargestellt. Hierbei wurde der Signal-Zeit-Verlauf einer Region-of-Interest (ROI), dem posterior-cingulären Kortex und Precuneus (PCC/preCUN: x = ±6, y = -54, z = 3), mit jedem anderen Voxel des Gehirns verglichen und auf Korrelationen untersucht. Es folgte die Teilnahme an einem 10-wöchigen entweder rezeptiven oder produktiven Kunstkurs. Danach (Zeitpunkt: T1) erfolgte erneut die Datenerhebung mittels funktioneller Magnetresonanztomographie und die Auswertung durch das Programm Brain Voyager. Es wurden Kontrastmappen erstellt, um die Wirkungen der zwei Kunstinterventionen zwischen den Proban- denkollektiven miteinander vergleichen zu können. Zur statistischen Auswertung wurde das General Linear Model (GLM; dt.: allgemeines lineares Modell) herangezogen.

Ergebnisse In den pre-Bedingungen (T0) zeigten sich vermehrte funktionelle Konnektivitäten ausgehend vom rechten PCC/preCUN bei kognitiv unauffälligen Ruheständlern gegenüber den subjektiv Beeinträchtigten. Im linken PCC/preCUN waren verstärkte funktionelle Konnektivitäten bei subjektiv kognitiv Beeinträchtigten gegenüber kognitiv unauffälligen Ruheständlern in den pre-Bedingungen zu beobachten. Die Ergebnisse lassen erkennen, dass die kognitiv unauffälligen Ruheständler mehr von dem produktiven Kunstkurs profitierten. In der Gegenüberstellung von kognitiv Unauffälligen gegenüber subjektiv kognitiv Beeinträchtigten zeigten sich nach dem produktiven Kunstkurs (T1) signifikant vermehrte funktionelle Konnektivitäten des Default Mode Networks bei den kognitiv Unauffälligen. Der Effekt des rezeptiven Kunstkurses war hingegen bei den subjektiv kognitiv Beeinträchtigten stärker ausgeprägt. Hier waren nach dem rezeptiven Kunstkurs (T1) in der Gegenüberstellung signifikant vermehrte funktionelle Konnektivitäten bei subjektiv kognitiv Beeinträchtigten zu beobachten. Die vermehrten funktionellen Konnektivitäten waren bei subjektiv kognitiv Beeinträchtigten sowohl pre-interventionell (PCC/preCUN links) als auch post-interventionell in der rezeptiven Gruppe (PCC/preCUN links) vor allem zu frontalen Bereichen zu verzeichnen.

Ausblick Die pre-Bedingungen haben gezeigt, dass es einen sichtbaren Unterschied zwischen subjektiv kognitiv Beeinträchtigten und kognitiv Unauffälligen hinsichtlich funktioneller Konnektivitäten des DMN gibt. Inwiefern diese Unterschiede richtungsweisend bezüglich früher diagnostischer Optionen gewertet werden können, muss in zukünftigen Untersuchungen geprüft werden. Neue therapeutische Konzepte betreffend, zeigte sich eine Tendenz, die auf limitierte Kompensationsmöglichkeiten von neuronalen Netzwerken hindeutet. Es wurde ersichtlich, dass kognitiv Unauffällige mehr von produktiver und demgegenüber subjektiv kognitiv Beeinträchtigte mehr von rezeptiver Kunstintervention profitierten. Neue therapeutische Konzepte sollten entsprechend den kognitiven Stadien angepasst und entwickelt werden. Zudem sollten die Resultate in der Entwicklung präventiver Maßnahmen berücksichtigt werden. Kreativität und Kunst wirkt sich positiv auf funktionelle Konnektivitäten des DMN aus, jedoch sollte man so früh wie möglich damit beginnen.

DOI
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