Physical Activity Behavior in Children and Adolescents: Investigating Independent Mobility and Active Travel

Language
en
Document Type
Doctoral Thesis
Issue Date
2022-10-10
Issue Year
2022
Authors
Marzi, Isabel
Editor
Abstract

Regular physical activity (PA) in childhood and adolescence is related to numerous short- and long-term health benefits and can prevent suffering from non-communicable diseases in adulthood. According to the World Health Organization (WHO) active travel, i.e., walking, cycling, or using other non-motorized means of locomotion with wheels to get to and from places, is one important domain of PA. Children and adolescents who walk or cycle to school are generally more physically active and more likely to meet PA recommendations by the WHO of at least 60 minutes of moderate- to vigorous-intensity PA per day. Additionally, active travel as a daily routine is positively associated with cardiovascular fitness and adolescents’ well-being. Granting children and adolescents the opportunity to travel actively and without adult supervision can further promote their independence and the development of social contacts and can open up additional spaces for experience and play. Thus, multiple co-benefits of shifting from passive to active transport modes exist including health and sustainability. Despite these well-known benefits, international studies identified an alarming prevalence of physical inactivity in children and adolescents. In particular, non-organized leisure activities including outdoor play and active travel decreased over the last decades. To overcome these trends of low prevalence and to promote health-enhancing PA, further investigations are required that enable a more advanced understanding of the behavior and its determinants. Hence, the present cumulative dissertation aimed at providing an overview of active and independent mobility behavior in children and adolescents from the perspective of public health research. For this purpose, comprehensive systematic literature searches and population-based empirical studies in children and adolescents from Germany on transport mode choice were conducted. By means of a systematic literature search, various modifiable social and physical environmental determinants of children’s independent mobility were identified. The systematic literature analysis revealed that the social environment (e.g., within the family) specifically can act as an enabler for active and independent travel in youth. Yet, there is a lack of high-quality longitudinal studies, consistent definitions, indicators and measurement tools to assess children’s independent mobility, and representative health science related studies on the extent of independent mobility and its determinants from German-speaking countries. Using representative cohort-data from the nationwide Motorik-Modul study, trends and prevalence of active travel in children and adolescents were analyzed. The analysis showed that active travel to school significantly decreased by 6% in 4 to 17 year olds from 2003 to 2017. Particularly, in the youngest age group (4 to 5 years) passive travel increased over the years. Additionally, low rates of walking and cycling to school were observed in boys and girls between 11 and 17 years at the last measurement point from 2014 to 2017. In a further study, mobility behavior in adolescents – an age group being at high risk of physical inactivity and passive travel – was investigated by a nationwide quantitative survey. Importantly, the ARRIVE study highlighted that transport mode choice on the way to and from school does not necessarily reflect adolescents’ transport mode choice in leisure time and everyday life. Rather, transport mode choice was associated with destination, travel distance, urbanization, and sex/gender. In summary, the present findings provide deep insights into children’s and adolescents’ active and independent mobility and its relevance for current global health challenges. Intervention programs to increase active mobility behavior in children and adolescents should target different age groups and consider parental influence in determining transport mode choice in youth. Since girls travel actively and independently less often than boys, promotion programs should pay special attention to girls’ needs. Additionally, improvements in public transport infrastructure are requested to enable a shift to a healthy and sustainable mobility behavior in youth living in rural areas. Still, several questions on determinants of active mobility behavior in youth remain elusive and further investigation are required to understand the decision-making process on transport mode choice in children and adolescents in detail.

Abstract

Regelmäßige körperliche Aktivität im Kindes- und Jugendalter ist mit zahlreichen kurz- und langfristigen gesundheitlichen Vorteilen verbunden und kann im Erwachsenenalter nicht übertragbaren Krankheiten vorbeugen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt der aktive Transport als eine wichtige Domäne der körperlichen Aktivität. Unter aktivem Transport wird das Zurücklegen von Wegen von einem Ausgangspunkt zu einem Endpunkt zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit anderen motorisierten Fortbewegungsmitteln, zum Beispiel einem Tretroller, verstanden. Kinder und Jugendliche, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen, sind im Allgemeinen körperlich aktiver und erreichen eher die WHO-Empfehlungen von mindestens 60 Minuten moderater bis intensiver körperlicher Aktivität pro Tag. Darüber hinaus steht der aktive Schulweg als tägliche Routine in einem positiven Zusammenhang mit der kardiovaskulären Fitness und dem Wohlbefinden von Heranwachsenden. Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich aktiv und eigenständig (d. h. ohne elterliche Aufsicht) fortzubewegen, kann ihre Selbstständigkeit und die Entwicklung sozialer Kontakte weiter fördern und zusätzliche Erfahrungs- und Spielräume eröffnen. Der Umstieg von passiven auf aktive Verkehrsmittel bringt demnach zahlreiche Vorteile mit sich, beispielsweise im Sinne der Gesundheit und Nachhaltigkeit. Trotz dieser bekannten Vorteile haben internationale Studien eine alarmierende Prävalenz von Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen festgestellt. Insbesondere nichtorganisierte sportliche Aktivitäten, einschließlich des Spielens im Freien und des aktiven Transports, sind in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Um diesen negativen Trend und die niedrige Prävalenz zu überwinden und gesundheitsfördernde körperliche Aktivität zu fördern, sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich, die ein tieferes Verständnis des Verhaltens und seiner Determinanten ermöglichen. Ziel der vorliegenden kumulativen Dissertation war es daher, einen Überblick über das aktive und eigenständige Mobilitätsverhalten von Kindern und Jugendlichen aus Sicht der Public-Health-Forschung zu geben. Dazu wurden umfangreiche systematische Literaturrecherchen und bevölkerungsbezogene empirische Studien zur Verkehrsmittelwahl von Kindern und Jugendlichen aus Deutschland durchgeführt. Mittels einer systematischen Literaturrecherche wurden verschiedene modifizierbare soziale und physische Umweltdeterminanten der eigenständigen Mobilität von Kindern identifiziert. Die systematische Literaturrecherche ergab, dass vor allem das soziale Umfeld (z. B. innerhalb der Familie) eine wichtige Rolle bei der Förderung aktiver und eigenständiger Mobilität von Kindern spielen kann. Es fehlen jedoch qualitativ hochwertige Längsschnittstudien, einheitliche Definitionen, Indikatoren und Messinstrumente zur Erfassung der eigenständigen Mobilität von Kindern sowie repräsentative gesundheitswissenschaftliche Studien zum Ausmaß der eigenständigen Mobilität und ihrer Determinanten aus dem deutschsprachigen Raum. Anhand repräsentativer Kohortendaten aus der bundesweiten Motorik-Modul-Studie wurden Trends und Prävalenzen des aktiven Schulweges von Kindern und Jugendlichen analysiert. Aus der Studie ging hervor, dass der aktive Schulweg bei 4- bis 17-Jährigen von 2003 bis 2017 signifikant um 6% abgenommen hat. Insbesondere in der jüngsten Altersgruppe (4 bis 5 Jahre) nahm der passive Schulweg im Laufe der Jahre zu. Außerdem wurden bei Jungen und Mädchen im Alter zwischen 11 und 17 Jahren niedrige Prävalenzen für das Laufen und Radfahren zur Schule zum letzten Messzeitpunkt zwischen 2014 und 2017 verzeichnet. In einer weiteren Studie wurde das Mobilitätsverhalten von Jugendlichen, einer Altersgruppe mit hohem Risiko für körperliche Inaktivität und passives Verkehrsverhalten, durch eine landesweite quantitative Erhebung untersucht. Die ARRIVE Studie zeigte, dass die Verkehrsmittelwahl auf dem Schulweg nicht zwingend die Verkehrsmittelwahl der Jugendlichen in der Freizeit und im Alltag widerspiegelt. Vielmehr stand die Verkehrsmittelwahl in Zusammenhang mit dem Zielort, der Distanz, der Urbanisierung und dem Geschlecht. Die vorliegenden Ergebnisse liefern vertiefte Erkenntnisse über die aktive und eigenständige Mobilität von Kindern und Jugendlichen und ihre Bedeutung für die aktuellen globalen Gesundheitsprobleme. Interventionsprogramme zur Steigerung der aktiven Mobilität von Kindern und Jugendlichen sollten auf verschiedene Altersgruppen abzielen und den elterlichen Einfluss auf die Wahl des Verkehrsmittels bei Heranwachsenden berücksichtigen. Da Mädchen in einem geringeren Maß aktiv und eigenständig mobil sind als Jungen, sollten Interventionsmaßnahmen ein besonderes Augenmerk auf die Bedarfe und Bedürfnisse von Mädchen richten. Darüber hinaus sind Verbesserungen der Infrastruktur des öffentlichen Nahverkehrs erforderlich, um Jugendlichen, insbesondere im ländlichen Raum, einen Wechsel zu einem gesundheitsfördernden und nachhaltigen Mobilitätsverhalten zu ermöglichen. Forschungslücken bestehen nach wie vor in Bezug auf Determinanten des aktiven und eigenständigen Mobilitätsverhaltens von Kindern und Jugendlichen und somit sind weitere Forschungsvorhaben erforderlich, um den Entscheidungsprozess bei der Wahl des Verkehrsmittels von Kindern und Jugendlichen im Detail zu verstehen.

DOI
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